Liebe Freunde meines Projekts 366,

ich habe mich nach 100 Tagen entschlossen, dem Projekt, das zu meinen freien Arbeiten zählt, einen eigenen Platz im Internet zu geben. Sie finden alle bisherigen Bilder und täglich ein neues Foto unter der neuen Adresse www.malaugefragen.com – dort habe ich ein neues Fotografie-Blog eingerichtet, das sich im Wesentlichen mit Bildaufbau und Bildbearbeitung beschäftigt und dem Projekt 366 breiten Raum gibt. 

Ich freue mich, wenn Sie genauso regelmäßig mein neues Fotografie-Blog besuchen, wie Sie hier hereingeschaut haben. Vielen Dank und auf Wiedersehen bei MalAugeFragen.

 

Stefan Anker

 

 

Projekt  366: April 2016

Jeden Tag eine gute Tat – das ist schwierig. Aber wie wäre es mit einem guten Foto an jedem Tag dieses Schaltjahres 2016? Auch nicht einfach, aber ich werde es versuchen. Die Regeln: Ich bin frei, was Motiv, Farbe und Format angeht, auch darf ich entscheiden, ob ich das Handy nehme oder die Spiegelreflex, ob ich das Bild bearbeite oder nicht, ob ich in Berlin, Hintertupfingen oder sonstwo auf der Welt fotografiere. Gebunden bin ich dagegen ans Datum: Ich muss jeden Tag ein Bild machen und hochladen, es darf keine Archivaufnahme sein, und ich darf auch nichts auf Vorrat fotografieren, um es später hier einzustellen. Kann jemand nachprüfen, ob ich mich daran halte? Leider nein. Ich empfehle, Vertrauen zu haben.

Da ist natürlich noch die Sache mit der Uhrzeit. Es ist mir leider unmöglich, jeden Morgen um zehn oder jeden Nachmittag um 16 Uhr ein neues Bild zu veröffentlichen, dazu verläuft mein Leben zu unregelmäßig (manchmal auch in anderen Zeitzonen). Meine Prognose ist, dass die meisten Bilder erst am Abend soweit sein werden. Wer hier nicht mehrfach am Tag nachschauen will, dem rate ich, nach dem Betrachten des ersten Bildes 48 Stunden zu warten und danach alle 24 Stunden wiederzukommen. Dann sollte für ihn/sie immer ein neues Foto zu sehen sein.

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9.4.2016 – Er ist wieder da

Ein altes Auto – ja. Ein alter Porsche – ja. Beides kann man gut erkennen. Doch um welchen Porsche es sich hier genau handelt, das werden anhand dieses Cockpit-Fotos wohl nur absolute Top-Experten erkennen können. Es ist das Modell 718, das 1957 als Nachfolger des legendären Porsche 550 Spyder herauskam und dessen Erfolge auf den Rennstrecken noch übertraf. Dennoch gehört der 718 nicht zu den Porschge-Modellen, die jedem sofort geläufig sind. Dieses Foto hier entstand, weil Porsche den Nachfolger des Boxster nun 718 Boxster nennt. Damit will man den Wechsel von Sechs- auf Vierzylindermotoren (wg. Kohlendioxid-Emissionen) mit einem historischen Bezug adeln.

Ich halte das für ein bisschen durchsichtig, aber auch der Vierzylinder-Boxster wird erfolgreich sein – weil er dank Turbo nicht nur einen geringeren Verbrauch, sondern trotzdem auch mehr Leistung hat als der Vorgänger mit sechs Zylindern. Ich weiß das alles, weil ich heute auf der Presse-Fahrvorstellung des neuen Modells war. Dort stand als Dekoration auch das alte Auto, und dem habe ich mich dann mit der Kamera gewidmet.

Für so ein Detailfoto ist eine offene Blende nicht falsch (hier: 2.0), weil der Vordergrund dann nicht vom eigentlichen Motiv ablenkt, also dem Lenkrad. Wenn man das ein bisschen im Vordergrund versinken lässt, erhält das eigentlich sehr ruhige Bild etwas mehr Spannung. Solange man kein ausdrückliches Produktfoto machen will, muss ein Lenkrad nicht komplett zu sehen sein – weil ja ohnehin jeder weiß, wie so etwas aussieht.

In der Bildbearbeitung habe ich den Vordergrund mithilfe eines Verlaufsfilters noch etwas abgedunkelt und einzelne Lichtreflexe im Glas des Drehzahlmessers und in der Lenkradnabe entfernt. Das Auto stand in einem geschlossenen Raum unter Scheinwerfern, und so schön die unscharfen Reflektionen im Vordergrund sind, so störend können scharfe Lichtpunkte mitten im Lenkrad sein.

 

8.4.2016 – Eilig auf Reisen

Wie gestern muss ich sagen, dass ich dieses Foto schon länger im Kopf hatte, es fehlte nur oft beim Umsteigen am Frankfurter Flughafen die Zeit, oder ich hatte für den entsprechenden Tag schon ein anderes Motiv. Jedenfalls hat es heute geklappt, ein paar zum Flugzeug laufende Reisende im Abflugbereich A unter der großen Lichtkuppel zu fotografieren.  

Bei so einem Motiv ist mir wichtig, Bewegungsunschärfe zu erzeugen und weder zu viele noch zu wenige Menschen im Bild zu haben. Darum dauert es ein bisschen, bis das richtig Foto im Kasten ist, schließlich gibt es bei einer Belichtungszeit von 1/15 Sekunde auch den einen oder anderen Fehlschuss. Bildstabilisator? Ja, ist schon erfunden, gibt's aber nicht in jedem Weitwinkelobjektiv. Bei diesem Bild war ich froh, dass ich meine Kamera ruhig genug gehalten habe, denn der Mann in der Mitte zieht nicht nur mit wehendem Mantel einen Rollkoffer hinter sich her, sondern wendet auch noch das Gesicht ein bisschen in meine Richtung. Vielen Dank dafür.

Die große technische Herausforderung für Kamera und Bildbearbeitung ist natürlich der Helligkeitsunterschied zwischen Lichtkuppel und dem Geschehen am Boden. Ich habe die Szene so belichtet, dass der Himmel deutlich überstrahlt, weil in einer Raw-Datei die ausgerissene Helligkeit viel einfacher zurückzuholen ist als abgesumpfte dunkle Bereiche – außerdem ist man beim Blick aufs Display auch froher, wenn das Bild hell ist und wenigstens eine grundlegende Einschätzung seiner Qualität erlaubt.

In dieser Situation kommt wahrscheinlich jeder Kamerasensor an seine Grenzen, da ist die Kombination aus Auge und Gehirn immer noch unschlagbar. Die eingeschränkte Dynamik der Kamera könnte man mit HDR-Software optimieren (HDR = High Dynamic Range, hoher Dynamikbereich), aber ich habe mich bislang noch nicht entschließen können, HDR-Programme oder -Plugins zu verwenden – abgesehen davon, dass es schwierig ist, mehrere Einzelbilder zusammenzurechnen, auf denen sich Leute bewegt haben. 

Nach der Schwarzweiß-Umwandlung und den üblichen Bearbeitungsschritten (Kontrast, Klarheit, Lichter und Weißtöne rauf, Schwarztöne runter, dazu eine Vignette) habe ich mir dann mein eigenes HDR gemacht, in dem ich einen schönen großen Radialfilter über die Lichtkuppel gezogen und darin ein wenig mit Kontrast- und Belichtungswerten experimentiert habe, bis ich mit dem Gesamteindruck zufrieden war.

Leider spiegeln die Scheiben der Lichtkuppel sehr stark, diesen Effekt kann man in der Bildbearbeitung nicht großartig abschwächen. Ich hätte ihn allerdings beim Fotografieren fast ganz eliminieren können, nämlich mit einem Polarisationsfilter vor der Linse. Leider bin ich mit einer eher kleinen Ausrüstung unterwegs und habe keine Filter dabei. Früher habe ich praktisch jeden Himmel mit Polfilter-Einsatz verändert (blaues Drama, Baby!), und für Autofensterscheiben sitzt er auch heute noch auf dem Teleobjektiv (und passt nicht aufs Weitwinkel). Aber die Objektive mit kürzeren Brennweiten sind nun bei mir filterfrei, was in diesem Fall vielleicht ein Fehler war. Ich sollte das Bild bei nächster Gelegenheit mit Polfilter wiederholen und dann zum Vergleich hier einstellen.

 

7.4.2016 – Minimalismus

Dieses Bild wollte ich schon seit Tagen machen, denn ich will es bei einem Wettbewerb einreichen. Dessen Motto: Minimalismus. Interessant ist, was andere Fotografen da schon eingereicht haben (man kann es leider nur sehen, wenn man in der – empfehlenswerten – Gemeinschaft www.shootcamp.at Mitglied ist), wie unterschiedlich Minimalismus interpretiert wird. Neben manchen Total-Missverständnissen (einer hat einfach den wolkigen Himmel fotografiert) kristallisieren sich zwei Denkrichtungen heraus: Die einen fotografieren minimalistisch, die anderen setzen etwas Minimalistisches in Szene.

Ich habe mit meinem Foto versucht, beides zu kombinieren. Man sieht hier ein typisches Beispiel modernen Produktdesigns, nämlich den Stecker eines MacBook-Ladekabels. Wichtig war mir, einen Teil des Notebooks auch noch zu zeigen und das Kabel vom Rechner wegführen zu lassen, wobei es optisch mit der abgerundeten Ecke des MacBooks korrespondieren sollte. Also habe ich es so gebogen, dass es eine sanfte 90-Grad-Rechtskurve beschreibt.

Zum Fotografieren war hier natürlich ein Stativ nötig, außerdem ist mal wieder meine bevorzugte Blitztechnik zum Einsatz gekommen: Der Blitz stand leicht hinter dem Notebook (also bezogen auf dieses Foto über dem oberen Rand) und schickte sein Licht mit voller Leistung gegen die Zimmerdecke. So sind die ganz weichen Schatten zustande gekommen, die nötig sind, um das Foto wie ein Foto und nicht wie ein Rendering aussehen zu lassen.

Danach habe ich in der Bildbearbeitung in Richtung HighKey gearbeitet, also die Schatten und auch so ziemlich alles andere aufgehellt. Trotzdem lassen sich die unterschiedlichen Weißtöne noch gut voneinander unterscheiden. Eine Megapower-Sättigung des grünen Kontrolllämpchens habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen, und in Sachen Bildaufbau liegt die linke Kante des Steckers auf der rechten vertikalen Drittellinie, und das grüne Lämpchen ist genau mittig zwischen Ober- und Unterkante des Bildes angeordnet. Wer sich fragt, ob man nicht auch noch einen Teil des MacBook-Monitors sehen müsste, der hat Recht. Ich habe diesen Bildteil (ganz klein in der oberen rechten Ecke) weggestempelt, weil das Schwarz der Display-Umrandung den minimalistischen Gesamteindruck gestört hat.

Also: Ein ordentliches Produktfoto ist das zumindest schon mal, finde ich. Ob ich im Minimalismus-Wettbewerb damit maximale Chancen habe, wird sich noch erweisen müssen. Ende April steht das Ergebnis fest, ich teile es dann mit – wenn es gut ist ;-)

 

6.4.2016 – Bis der Kühler kocht

Zum ersten Mal war ich heute bei der Techno Classica, der Oldtimermesse in Essen. Und ich bin immer noch schwer beeindruckt:  eine unglaubliche Vielfalt an Autos, Zubehör, Devotionalien – und ein Preisniveau zum Luftanhalten. Den Traum vom alten Porsche, wenn ich ihn je gehabt hätte, müsste ich mir spätestens heute abschminken, denn unter 100.000 Euro bekommt man offensichtlich keinen ganz normalen 911 aus den 60er-Jahren mehr, jedenfalls keinen restaurierten. Also habe ich mich aufs Gucken und Fotografieren beschränkt, vorwiegend habe ich Details mit dem 50-Millimeter-Objektiv ins Visier genommen.

Hier zeige ich ein schönes Kuriosum, nämlich den Kühlerdeckel des Bentley EXP2 von 1921. EXP steht für Experiment, das Auto war ein Prototyp, um einen neu entwickelten Motor zu testen. Der drei Liter große Vierzylinder war mit Vierventiltechnik ausgestattet und leistete stattliche 65 PS. Meinen Blick hat das integrierte Thermometer im Kühlerdeckel angezogen, es zeigt dem Fahrer die drei wichtigsten Gesundheitsstufen des Motors: Cool – Normal – Boiling (und wer nicht weiß, was Boiling bedeutet, soll mal seinen Boiler voll aufdrehen).

Es war nicht so ganz leicht zu entscheiden, ob die Schärfe auf der vorderen Glasscheibe des Thermometers liegen sollte oder auf dem hinteren Glas. Dafür habe ich mich am Ende entschieden, auch wenn die Wörter natürlich spiegelverkehrt zu sehen sind. Sie sind aber so dominant gegenüber den eher blassen Buchstaben auf dem vorderen Glas, dass das Bild falsch fokussiert wirkt, wenn sie leicht unscharf abgebildet werden. Ich hätte natürlich auch die Blende (hier: 2.8) weiter schließen können, aber dann hätten sich die Scheinwerfer und Lampen an der Decke nicht so wunderbar in viele bunte Lichtkreise aufgelöst.

In der Bildbearbeitung habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, kräftig an all jenen Reglern zu ziehen, die Dynamik und Kontrast des Bildes erhöhen – an der Sättigung habe ich allerdings nichts gemacht, den Regler lasse ich in der Regel auch in Ruhe. Man bekommt schon sehr viel Druck ins Bild, wenn man Lichter und Weißtöne hochzieht und die Schwarztöne herunter, da erhöhe ich nicht noch die Farbwirkung, das wäre mir dann zu viel des Guten. 

Den letzten Trick will ich aber gern verraten: Radialfilter um das Thermometerglas, Belichtung und Schärfe erhöhen – das klappt natürlich nur, wenn man beim Fotografieren darauf geachtet hat, dass hinter dem Thermometer kein weißes, sondern ein eher dunkles, also farbiges Licht zu erkennen ist. Dann würde das Thermometer überstrahlen, während es jetzt gewissermaßen unauffällig aufgehellt ist und ganz natürlich die Blicke auf sich zieht.

 

5.4.2016 – Drama im Garten

Wenn gar nichts mehr geht – ein Makro mit offener Blende geht immer. Und wenn man es dann noch in Schwarzweiß umwandelt, ist es schon fast Kunst.

Scherz beiseite, heute lag tatsächlich so viel andere Arbeit an bei mir, dass ich kein Motiv fürs "Projekt 366" vorbereiten konnte. Also habe ich mein Makro-Objektiv aufgesetzt, Blende 2.8 vorgewählt und mir ein Detail im Garten gesucht. Es handelt sich hier um den Stumpf eines längst abgesägten Astes, wobei ich beim besten Willen nicht mehr weiß, wer da noch ein Loch hineingebohrt hat – und warum.

Jedenfalls geht es dem Baum gut, keine Sorge, auch wenn ich mit der Schwarzweiß-Umwandlung und der damit einhergehenden Erhöhung von Kontrast und Klarheit ziemlich viel Drama im Bild erzeugt habe (die Vignette tut das Ihre dazu). Ich mag das Foto, aber ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen wieder "echte" Motive vor der Linse habe.

 

4.4.2016 – Alles offroad oder was?

 

Das wird dieses Auto nie wieder erleben: Wie bei jeder Pressepräsentation eines SUVs gab es auch für den neuen VW Tiguan einen Parcours, auf dem er seine Offroadqualitäten beweisen konnte. Nur dass die Mehrzahl seiner künftigen Besitzer sich nicht mal trauen würde, ein Gefälle wie auf diesem Foto in Angriff zu nehmen – und dann noch ohne befestigte Straße, das geht ja gar nicht.

Trotzdem werden Autos mit Offroadqualitäten gekauft wie blöd. Ich selbst will so einen Wagen (noch) nicht haben, aber zum Fotografieren eignen sie sich allemal sehr gut, weil man dem nagelneuen Hochglanzprodukt eine etwas ruppige Umgebung als Kontrast zuordnen kann. Meine Lieblings-Offroadproduktion der jüngeren Vergangenheit ist die vom Bentley Bentayga, einem Mehr-als-200.000-Euro-Auto, das wir in Sachen Offroad deutlich härter gefordert haben als hier den Tiguan.

Beim neuen VW war der sehr helle Himmel unter Abwesenheit der Sonne die besondere Herausforderung – nicht unbedingt beim Fotografieren selbst, aber hinterher in der Bildbearbeitung. Die geschlossene Wolkendecke wirkte wie eine gigantische Softbox und hat viel zu helle Stellen auf dem blauen Metalliclack und auf der Windschutzscheibe hinterlassen. Um wieder einen einigermaßen homogenen Eindruck des Autos zu erzeugen, habe ich insgesamt fünf Radialfilter eingesetzt – das sind Kreise und Ovale in beliebiger Form und Größe, die man mit einem Bearbeitungseffekt belegen kann, in meinem Fall waren das teils Abdunklungen, teils Aufhellungen (an der Seite). Und ganz zum Schluss kam noch ein großer Radialfilter über das ganze Auto, der es insgesamt um eine viertel Blendenstufe aufgehellt hat.

Des weiteren habe ich mit Sättigung und Luminanz (Leuchtdichte) des Blautons gespielt,um eine gute Mischung aus Originaltreue und Auffälligkeit zu erreichen – vor allem weil ich den Weißabgleich des Fotos so verändert habe (in Richtung Wärme), dass der Sand noch eine Farbe aufweist und nicht einfach grau ist. Wenn jemand sagt, meine Bearbeitung mache das Bild ein wenig künstlich: Ja, kann sein. Mir geht es hier jedoch mehr um die Inszenierung als um Dokumentation. Am liebsten würde ich so ein Foto mit einer oder zwei mobilen Studioleuchten machen (die ich noch kaufen müsste), und dann sieht es auch nicht unbedingt echt aus – aber toll.

Vielleicht noch ein Wort zum Motiv selbst: Es hilft immer, die Angebote, die einem die Umgebung macht, auch anzunehmen. Will sagen: Es wäre in diesem Fall absolut töricht gewesen, den Steinstapel, den jemand so liebevoll aufgeschichtet hat, nicht ins Bild zu integrieren. "Vordergrund macht Bild gesund", heißt es etwas hölzern in vielen Foto-Ratgebern. Ohne Reim gesprochen: Vordergrund schafft Tiefe, und wenn man nicht ein einfaches grafisches Muster (Büroklammer von oben o.ä.) inszenieren will, dann hilft Tiefe eigentlich jedem Foto.

Und wer sich nicht nur für das Bild, sondern auch für das Auto interessiert, der findet meinen Fahrbericht hier in der "Welt".

 

3.4.2016 – Es grünt so grün

Jetzt wird es Frühling! Meine ersten drei April-Fotos sind alle irgendwie grün, und das kann ja kein Zufall sein. Beim heutigen Bild half allerdings der Zufall, denn das Foto, was ich eigentlich machen wollte, wollte mir nicht recht gelingen. Und wie ich so nach Hause radelte, die Kamera über der Schulter, da sah ich diese kräftig sprießende Hecke in tiefstehender Nachmittagssonne.

Es gibt eine Kritik an diesem Bild, die ich sofort akzeptiere: Wenn nämlich jemand sagt, das sei eigentlich nur ein Hintergrund, und es fehle das Motiv. Das sage ich auch oft zu solchen Bildern, obwohl ich hier einwenden würde, dass die knapp gesetzte Schärfe auf exakt den Blättern, die hervorstehen, und der etwas unheimliche Fußweg rechts neben der Hecke auch für eine eigene Bildwirkung stehen können.

Andererseits habe ich mir diese Stelle natürlich als Hintergrund gemerkt und werde sie irgendwann für ein Porträtfoto verwenden. Der Mensch, um den es dann geht, könnte neben den jetzt per Schärfe hervorgehobenen Blättern stehen. Oder in einem der Lichtkegel weiter hinten – die Schärfe müsste dann natürlich dorthin verlagert werden, ist ja klar.

In Sachen Bildbearbeitung ist hier auch einiges gelaufen. Neben der Anhebung von Klarheit, Kontrast und Dynamik (mein Standardprogramm) habe ich hier noch am Weiß-Regler gezogen (nach oben) und am Schwarz-Regler (nach unten), zudem ist das Grün separat gesättigt, und zum Schluss kam eine Vignette (Abdunklung der Ecken) hinzu. Außerdem habe ich die rechte Hälfte des Bildes mit einem Verlaufsfilter um eine halbe Blendenstufe abgedunkelt. Wie üblich gilt: So waren die Lichtverhältnisse nicht wirklich, aber so habe ich sie mir vorgestellt.

 

2.4.2016 – Skoda, immer Skoda

Wir sehen einen Mann, der mit sich im Reinen ist. Es ist nicht seine Stärke, direkt in die Kamera zu lächeln, aber wenn er auf das Modellauto schaut, dann sieht er entspannt und zufrieden aus. Dieses Bild wird demnächst zusammen mit anderen Bildern auf www.welt.de/motor erscheinen, in der Reihe "Petrolhead der Woche". Wofür dieser Petrolhead hier schwärmt, wird hoffentlich beim Blick auf das Foto sofort klar: Es ist die Marke Skoda. Privat fährt er ein zeitgemäßes Modell, sein Haus steckt voller Bilder, Prospekte und Modellautos, und der Höhepunkt in seinem Auto-Leben war die Restaurierung seines Skoda 120 GLS, Baujahr 1980. Und nein, seine Frau ist nicht genervt, die hat beruflich mit Autos zu tun und war bei den Reparaturarbeiten eine große Stütze.

Die fotografischen Herausforderungen waren hier zweierlei: Erstens die pralle Sonne, zweitens die Schwierigkeiten mit dem Lächeln. Sonne erzeugt immer auch Schatten, und man muss dann versuchen, Motiv und Kamera so aufeinander auszurichten, dass die Schatten keine bildwichtigen Teile verdecken. Hier haben wir den größten Teil des Gesichts im Licht, die Frontmaske des Autos sieht auch gut aus, und vor allem ist das Modellauto schattenfrei. Der Kinnschatten ist zwar riesig, stört aber kaum, und der Nasenschatten geht fast ganz am Mund vorbei – für mich ist das völlig okay. Ich fotografiere so eine Szene auch gern bei bedecktem Himmel, aber die Sonne hat ja ebenfalls ihr Gutes: Hier bringt sie das herrliche 70er-Jahre-Grün des Autos schön zum Leuchten.

Ich hatte es schon mal an anderer Stelle geschrieben: Wenn man kein entspanntes Lächeln bekommt, ist man als Fotograf erstens auch mitschuldig, und zweitens kann man sein Modell dann irgendwo anders hinsehen lassen. Nur darauf achten, dass das Gesicht nicht zu weit weggedreht wird, sonst sieht man nichts mehr von dem Menschen, den man doch eigentlich porträtieren wollte. Aber dem genügt es in der Regel auch, den Blick nur ganz wenig von der optischen Achse Auge – Kamera abwenden zu dürfen. Schon entspannen sich die Gesichtszüge, und beide Seiten haben etwas davon.

 

1.4.2016 – Donald im Teich

Dies hier ist nicht nur ein Foto, es ist ein Plädoyer: Bitte gehen Sie auf Augenhöhe, wenn Sie Tiere fotografieren. Sie können diese Regel natürlich brechen wie jede andere Regel auch, doch Ihre Tierfotos werden dann nicht so gut aussehen. Selbst wenn Sie in die Hocke gehen, um eine Ente auf einem Teich zu fotografieren, dann schauen Sie von oben auf den Vogel herab, und das taugt fast immer nichts. Ich habe hier in unserem Garten tatsächlich auf dem Bauch gelegen und mich Stück für Stück näher an den Teich gerobbt. Das ging, weil die Enten sich putzten und dann schliefen. Als ich die richtige Position hatte, habe ich weit von den Tieren entfernt Steinchen ins Wasser geworfen, um etwas Aufmerksamkeit zu erzeugen, und dieser Schuss ist dann von allen Bildern, die entstanden sind, mein Lieblingsmotiv.

Donald (meine Frau und ich nennen ihn so, weil er mit seiner Daisy regelmäßiger Gast ist) guckt in meine Richtung, hebt sich schön vom Hintergrund ab, spiegelt sich im glatten Wasser (wie gesagt, die Steine fielen weiter weg) und sitzt nach einem leichten Beschnitt des Bildes perfekt auf dem Schnittpunkt der oberen und der linken Drittellinie. Ebenso perfekt war übrigens der Schein der Nachmittagssonne, ich habe dieses Mal in der Bildbearbeitung nichts unternommen – außer natürlich meine drei Standard-Operationen: Klarheit, Kontrast und Dynamik ein Stück nach oben.

 

 

Hier geht es zu den Bildern aus dem Januar.