Projekt  366: März 2016

Jeden Tag eine gute Tat – das ist schwierig. Aber wie wäre es mit einem guten Foto an jedem Tag dieses Schaltjahres 2016? Auch nicht einfach, aber ich werde es versuchen. Die Regeln: Ich bin frei, was Motiv, Farbe und Format angeht, auch darf ich entscheiden, ob ich das Handy nehme oder die Spiegelreflex, ob ich das Bild bearbeite oder nicht, ob ich in Berlin, Hintertupfingen oder sonstwo auf der Welt fotografiere. Gebunden bin ich dagegen ans Datum: Ich muss jeden Tag ein Bild machen und hochladen, es darf keine Archivaufnahme sein, und ich darf auch nichts auf Vorrat fotografieren, um es später hier einzustellen. Kann jemand nachprüfen, ob ich mich daran halte? Leider nein. Ich empfehle, Vertrauen zu haben.

Da ist natürlich noch die Sache mit der Uhrzeit. Es ist mir leider unmöglich, jeden Morgen um zehn oder jeden Nachmittag um 16 Uhr ein neues Bild zu veröffentlichen, dazu verläuft mein Leben zu unregelmäßig (manchmal auch in anderen Zeitzonen). Meine Prognose ist, dass die meisten Bilder erst am Abend soweit sein werden. Wer hier nicht mehrfach am Tag nachschauen will, dem rate ich, nach dem Betrachten des ersten Bildes 48 Stunden zu warten und danach alle 24 Stunden wiederzukommen. Dann sollte für ihn/sie immer ein neues Foto zu sehen sein. 

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31.3.2016 – Davidstern

Das Jüdische Museum in Berlin hat mir heute Nacht eine fotografische Aufgabe gestellt, die ich nicht lösen konnte. Mit dem Bildaufbau bin ich ganz zufrieden – jedenfalls dafür, dass ich das Foto nach einem sehr späten Feierabend auf dem Weg zum Parkplatz gemacht habe: Wir sehen das Symbol des Museums, nämlich den Grundriss des 1998 fertiggestellten Baus – er kann und soll als zerschmetterter Davidstern verstanden werden. Daneben in der Unschärfe ist der Giebel des ehemaligen Berliner Kammergerichts aus den 30er-Jahren des 18. Jahrhunderts zu erkennen – dieses Gebäude wurde ins Jüdische Museum integriert und beherbergt auch den Haupteingang. 

Ich denke sogar, dass die Herausarbeitung der unterschiedlichen Schwarztöne gelungen ist – das Museumssymbol prangt am oberen Teil einer Stele, die sich bei genauem Hinsehen vom Nachthimmel unterscheidet (das kommt dann aber auch auf den Monitor an, auf dem man sich das Foto ansieht, auf kalibrierten Geräten sollten sich die Schwarzgrade wahrnehmbar, aber auch nicht zu deutlich voneinander unterscheiden). Was mich aber total verstört, ist der seltsame Farbverlauf in dem Symbol, das ich beim Fotografieren als einheitlich rot wahrgenommen habe. Hier changiert die Farbe aber über orange ins Gelbe, und das liegt nicht an der Bildbearbeitung, sondern ist auch auf den unbehandelten Raw-Dateien so.

Sachdienliche Hinweise sind hoch willkommen, bitte an mail@stefananker.com.

 

30.3.2016 – Checkpoint Charlie

Was unterscheidet den Fotografen vom Touristen? Der Fotograf sieht anders, und er wartet, bis er bekommt, was er sieht. Hört sich vielleicht etwas hochtrabend an, aber letztlich ist es genau so, und ich möchte es an diesem Bild hier gern erklären. Wir sehen die Kreuzung Friedrichstraße/Zimmerstraße in Berlin, besser bekannt als Checkpoint Charlie. Hier war früher der berühmteste aller Grenzübergänge, er verband/trennte den amerikanischen und den sowjetischen Sektor. Heute ist von den Gebäuden nichts mehr zu sehen, es steht nur noch die Nachbildung einer amerikanischen Grenzerbaracke da, wo sich Touristen mit zwei Schauspielern in Uniform fotografieren lassen.

Will man die Kreuzung in ihrer Gesamtheit erfassen, ist die Baracke sehr klein, so dass es für mich nicht so schlimm ist, dass sie hinter der Fahrradfahrerin verschwunden ist. Erkennbar wird Checkpoint Charlie ohnehin eher durch das riesige Porträt von Sergeant Jeff Harper, einem echten amerikanischen Soldaten, der in den 90er-Jahren in Deutschland stationiert war. Er blickt unverwandt gen Osten, während auf der Rückseite ein russischer Soldat nach Westen sieht. 

Normalerweise kann ein Bild dieses Platzes kaum mehr als ein Dokument sein: Man erkennt das riesige Harper-Foto, weiß daher, wo man ist – fertig. Gleichzeitig ist aber der ehemalige Checkpoint eine der belebtesten Kreuzungen Berlins, auch weil hier das viel besuchte Mauermuseum steht (linke Straßenseite). Und genau die Unruhe, die der historische Platz heute ausstrahlt, wollte ich auf dem Foto zeigen. Darum habe ich mich hingehockt und die Kamera leicht schräg gehalten – diese Perspektive erzeugt schon mal mehr Dynamik als ein gerade ausgerichtetes Foto aus normaler Augenhöhe. Blende 8 gibt mir Tiefenschärfe von vorn bis hinten – die wollte ich haben, weil ich für den Vordergrund auf eine/n Fahrradfahrer/in gewartet habe, den/die ich mit einer Belichtungszeit von 1/30 Sekunde verwischt im Bild haben wollte (und es reicht, wenn eine Zone im Bild nicht scharf ist).

Diese Idee kann jeder haben, man muss dazu nicht als Fotograf arbeiten. Das Problem für den Gelegenheits-Fotografen ist nur: Er bringt oft nicht die Zeit auf, um seine Idee zu verwirklichen – weil der Reisebus gleich weiterfährt, oder weil er sich sonst bei seiner wartenden Familie unbeliebt macht. Denn weil dieser Platz so belebt ist, musste ich exakt 24 Minuten warten, bis sich diese Szene ergab: Fahrradfahrerin sehr dicht an der Kamera, gleichzeitig keine Autos, Reisebusse oder Lkw im Bild. 

Am Ende hat sich das Warten aber gelohnt, finde ich, und dann habe ich natürlich in der Bildbearbeitung noch ein bisschen Gas gegeben. Als Streetfoto hat das Motiv die Umwandlung in Schwarzweiß gut vertragen, der Kontrast ist natürlich stark erhöht, und für die Vignettierung habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen. Statt eine leichte Vignette einzusetzen (also die Abdunklung der Ecken), habe ich von jeder Ecke aus einen Verlaufsfilter Richtung Mitte gezogen. Ein Verlaufsfilter wendet den ausgesuchten Effekt zunächst stärker und mit zunehmender Ausdehnung immer schwächer an, er wirkt also wie ein Farbverlauf, nur eben mit Abdunklung, Aufhellung oder welcher Veränderung auch immer. Hier habe ich eine Abdunklung um ca. eine halbe Blende eingesetzt, um die Fahrradfahrerin und das Harper-Plakat herauszuheben. Danach kam noch eine leichte Aufhellung der Radfahrerin (eine viertel Blende) per Radialfilter.

Es liest sich komplizierter, als es war, aber ein bisschen Zeit muss man mit gelungenen Fotos hinterher auch noch verbringen, finde ich – auch das ist sicher ein Unterschied zwischen professionellem Fotografen oder ambitioniertem Amateur und demjenigen, der nur gelegentlich zur Kamera greift. 

 

29.3.2016 – Balanceakt

Diese Woche arbeite ich täglich in der Redaktion der "Welt" mit, und da lag es nahe, mich mit der Kamera mal um die Skulptur "Balanceakt" zu kümmern. Sie ist ein Werk des Bildhauers Stephan Balkenhol, steht seit 2009 vor dem Verlagsgebäude der Axel Springer SE und soll neben anderem an die Schwierigkeit erinnern, die Freiheit zu erhalten. Wer mehr dazu wissen will, den verweise ich auf die entsprechende Wikipedia-Seite. 

Die fotografische Herausforderung bei solchen Motiven liegt auf der Hand: Der balancierende Mann wird stets und ständig fotografiert, man muss also irgendwie ein Bild finden, das noch nicht so oft gemacht worden ist. Darum bin ich nach Feierabend hingegangen und habe die blaue Stunde ausgenutzt, das eliminiert in der Regel alle konkurrierenden Fotografien, die mit einer kleinen Kamera oder einem Handy gemacht werden. Sie klappen entweder gar nicht oder sehen wegen des hohen ISO-Wertes auf kleinem Sensor sehr verrauscht aus.

Weil ich zwar mit Kamera, aber ohne Stativ ins Büro gehe, habe ich bei ISO 1600 fotografiert, mit Blende 4 und 1/25 Sekunde. Wegen der Gegenlichtsituation ist das Gesicht des Mannes aus Beton etwas dunkel geworden (aber es ist sowieso eher schwarz als weiß), ich habe es in der Bildbearbeitung mit einem Radialfilter um eine Blendenstufe aufgehellt. Ganz erkennen muss man es nach meiner Auffassung hier ohnehin nicht, wichtiger ist die Silhouette. Sie kommt sehr gut zur Geltung, weil ich eine Position gefunden habe, in der nur der Himmel hinter dem Mann zu sehen ist und keine störenden Häuser zum Vorschein kommen. Nur zwischen seinen Beinen ragten die Zweige eines nahen Baumes ins Bild, die habe ich dann weggestempelt. Der einzige Nachteil ist, dass der Mann das linke Bein über dem Abgrund schweben lässt und nicht das rechte. Vielleicht mache ich dasselbe Foto irgendwann noch einmal mithilfe einer Leiter, um die Kamera zumindest auf Fußhöhe des Mannes zu bekommen – dann würde allerdings das Verlagsgebäude nicht mehr so schön auf den Betrachter zu stürzen. Wegen des freien Beines kann man den "Balanceakt" natürlich auch von der anderen Seite fotografieren – aber dann liegt hinter der Statue das Verlagsgebäude, und im Dunkeln wären Motiv und Hintergrund kaum noch voneinander zu unterscheiden.

Ich sage also mit dem balancierenden Mann: Hier stehe ich und kann nicht anders.

 
 
 
28.3.2016 – Viel Harmonie

Dieser Kalauer in der Überschrift musste jetzt mal sein – schließlich handelt es sich hier um eine Detailaufnahme der Philharmonie in Berlin. Das berühmte Gebäude von Hans Scharoun, 1963 fertiggestellt, reflektiert mit seiner goldenen Farbgebung das Sonnenlicht ganz hervorragend. Und der tiefblaue Himmel an diesem schönen Ostermontag gibt diesem Foto natürlich den Rest.

Allerdings habe ich wieder nachgeholfen: Beim Fotografieren schon habe ich einen Polfilter aufs Objektiv gesetzt, der ist immer gut für satte Farben, vor allem am Himmel. Und später in der Bildbearbeitung ging es mir um das Abdunkeln des Himmels, das Aufhellen der Goldtöne und ganz allgemein um den bestmöglichen Kontrast zwischen Gelb und Blau. Den bekommt man hin, wenn man Luminanz (Leuchtdichte) und Sättigung der einzelnen Farben reguliert. Man kann also am Blau- und Gelbregler ziehen, ohne etwa das Grau des Daches zu sehr zu beeinflussen. Eine feine Sache.

Vom Bildaufbau her ist es natürlich wichtig, neben den hell leuchtenden Fassaden auch die Wandteile zu zeigen, die der Sonne abgewandt liegen – das schafft Tiefe im Bild, und es hilft dabei, hier auch wirklich ein Gebäude zu erkennen. Schwieriger ist die Frage zu beurteilen, wann dieses Foto wirklich gerade ausgerichtet ist – die einzelnen Gebäudeteile stehen in individuellen Winkeln zueinander, und außerdem habe ich die Kamera leicht nach oben gerichtet, was stürzende Linien verursacht. Die Upright-Funktion von Lightroom richtet hier nur Schaden an, ich habe mich einfach auf mein Gefühl verlassen. Das ist möglicherweise gar nicht so schlecht, denn letztlich geht es nicht um Messungen, sondern um viel Harmonie.

Übrigens ist die Philharmonie auch innen drin unglaublich attraktiv, aber Fotos kann man da natürlich nicht einfach so machen, jedenfalls kaum in Ruhe und ohne Publikum. Sollte ich das jemals schaffen, zeige ich das Bild natürlich sofort hier – aber ansonsten verweise ich auf die digitale Konzerthalle: Hier kann man sich die Philharmonie anschauen und anhören – für 14,95 Euro pro Monat gibt es Konzerte der Berliner Philharmoniker im Internetstream. Wenn man klassische Musik mag, ist das eine großartige Sache.

 

27.3.2016 – Tapferer Ostermarschierer

Gibt es eigentlich noch Ostermärsche? Als ich jung war, kamen sie jedes Jahr wieder und richteten sich stets gegen USA, Nato, Nachrüstung, jedenfalls gegen den Westen im allgemeinen und damit letztlich auch gegen uns selbst. Das habe ich damals nicht so gesehen (ich bin sogar mitmarschiert), aber ich sehe das heute so. 

Der kleine trommelnde Hase, der bei uns zur Oster-Deko gehört, hat mich wieder an diesen Teil meiner Vergangenheit erinnert, und ich habe mich gefragt, ob ich ihn als  Ostermarschierer mit einem übermächtigen Gegner inszenieren könnte. Der coole Goldhase von Lindt war perfekt für diese Rolle, und mir kommt es bei diesem Foto besonders auf den Ausdruck in den Augen der beiden Hasen an.

Dazu war es natürlich nötig, dass beide Augen perfekt scharf sind. Die Kamera stand auf einem Stativ, und ich habe den Autofokus sowie den Bildstabilisator abgeschaltet, den Live-View-Modus aktiviert (also nicht durch den Sucher geschaut, sondern aufs Display), und das angezeigte Bild zehnfach vergrößert. Jetzt habe ich den linken Hasen manuell exakt scharfgestellt und dann den rechten millimeterweise vor und zurück bewegt, bis sein Auge ebenfalls scharf auf dem Display zu sehen war.

Fotografiert ist das Bild wieder mit einem entfesselten Blitz, der zunächst rechts, später links neben der Szene stand und mit halber oder viertel Leistung gegen die Decke blitzte. Vor der Aufnahme, aber nach dem Scharfstellen hatte ich das Licht im Raum so weit abgedunkelt, dass eine Belichtung mit ISO 50, Blende 2.8 und 1/160 Sekunde ein komplett schwarzes Bild ergab, so war mein Blitz dann die einzige Lichtquelle. Die Goldfolie des Lindt-Hasen hat, egal wo der Blitz stand, besonders gut im Kunstlicht geleuchtet, so dass ich in der Bildbearbeitung später die linke Bildhälfte stärker  aufgehellt habe als die rechte. Mit dem Weißabgleich habe ich links eine eher kühlere Stimmung geschaffen, den Goldhasen aber per Korrekturpinsel wieder etwas goldiger gemacht. So denke und hoffe ich, dass man sieht, worum es geht: eine intensive Gegenüberstellung.

 

26.3.2016 – Vorber-Ei-tung auf Ostern

Ich bin so ein typischer Mann: Um das ganze Oster-Brimborium kümmere ich mich nicht, aber wenn es denn mal da ist, finde ich es toll. Darum habe ich auch ein paar schöne Dokumentarfotos gemacht, als die beiden Frauen meines Lebens sich heute ums Eierfärben gekümmert haben. Meine Mutter hat es also trotz Zugverspätung noch bis zu uns geschafft – und musste sich dann auch gleich nützlich machen.

Mir gefällt das Foto nicht nur aus persönlichen Gründen, sondern ich mag es auch fotografisch, weil darin die wunderbare Kraft des Fensterlichtes so gut zur Geltung kommt. Es geht dabei allerdings nicht um das Fenster, das man sieht – denn das macht natürlich unweigerlich meine Frau, die uns den Rücken zudreht, etwas dunkel, weil das Foto ja in diesem Sektor wie  eine Gegenlichtaufnahme wirkt. Aber links von der Kamera haben wir ein zweites Fenster in der Küche, und das beleuchtet sehr schön meine Mutter. Diesen Effekt habe ich mit einer relativ offenen Blende (2.8) unterstützt, um wenig Tiefenschärfe im Bild zu haben. Später während der Bildbearbeitung habe ich mit einer Veränderung des Bildschnitts expermientiert, um näher heranzukommen an die Szene. Dabei kommen sogar die Augen meiner Mutter an den Schnittpunkt der Drittellinien. Trotzdem habe ich die Sache verworfen und das Bild 1:1 übernommen, wie es war – weil es dann mehr Luft zum Atmen hat, und weil es mit diesem nicht ganz optimalen Schnitt weniger wie die Arbeit eines professionellen Fotografen wirkt, sondern beiläufiger. Das fand ich für dieses Foto angemessener. 

 

25.3.2016 – Abfahrt nach Budapest

Super, dachte ich, da hast du ja viel Zeit zum Fotografieren, als mich meine Mutter anrief, dass ihr Zug nach Berlin Verspätung haben würde. Ich aber saß da schon im Auto und wusste nun, dass ich nicht nur 20 Minuten Zeit hätte, um ein schönes Bahnhofsfoto zu machen, sondern etwa eine Stunde mehr. Und was soll ich sagen? Ich habe mich extrem schwer getan dieses Mal. Aber dann fuhr doch noch der Nachtzug nach Budapest ein, und da fielen mir sofort die schönen altmodischen Waggons auf, ganz ähnlich wie früher bei meiner Märklin-Bahn. Und im Moment der Abfahrt bekam ich dann mein Motiv mit der Frau und dem Mann am Fenster.

Diese Fenster habe ich in der Bildbearbeitung etwas aufgehellt, damit man die Menschen dahinter nicht nur als Schatten wahrnimmt, aber ansonsten ist hier nicht viel passiert. Im Berliner Hauptbahnhof (hier die tiefste Ebene) herrscht permanent ein diffuses und gedämpftes Licht, für Fotos eignet sich das ganz hervorragend.

To the woman and the man on the photo: If it bothers you that I uploaded this picture to my website, please accept my apologies. Send me an e-mail, and I'll delete it immediately (by the way: nobody can download the pic from here). But if you like this picture as much as I do, please contact me anyway, and I 'll be happy to send you the hi-res file and additionally a large hi-res print. 

An die Frau und den Mann auf dem Foto: Wenn es Sie stört, dass ich dieses Bild auf meine Website hochgeladen habe, dann bitte ich Sie vielmals um Entschuldigung. Senden Sie mir eine E-Mail, und ich lösche das Bild sofort (übrigens: Niemand kann es hier herunterladen). Aber wenn Ihnen das Foto genauso gut gefällt wie mir, dann nehmen Sie bitte ebenfalls Kontakt mit mir auf. Ich sende Ihnen dann gern die hochaufgelöste Datei zu und außerdem einen großen Ausdruck des Fotos.

 
 

24.3.2016 – Porträt einer Legende

Gut, das Wort Porträt führt hier vielleicht ein wenig in die Irre. Allerdings: Meinen kurzen nächtlichen Rundgang durch New York habe ich mit einer 50-Millimeter-Festbrennweite unternommen, montiert auf eine Kamera mit kleinerem APS-C-Sensor. Der Bildausschnitt ist also derselbe wie bei einem 80-Millimeter-Objektiv, und damit komme ich der klassischen Porträtbrennweite von 85 Millimetern ja doch sehr nahe.

Jedenfalls verändern sich die Motive in den Häuserschluchten stark, wenn man weder zoomen noch einen Weitwinkel nutzen kann. Aber nach kurzer Umgewöhnung ist es natürlich trotzdem sinnvoll zu fotografieren, und als ich an der Kreuzung Park Avenue und 34. Straße freien Blick aufs Empire State Building hatte (das steht dann zwei Avenues weiter westlich), habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, eine Art Porträt dieses berühmten Hauses zu machen. Der beste Standort mitten auf der 34. Straße stand wegen des Verkehrs nicht zur Verfügung, von den Bürgersteigen aus waren meist Bäume und Äste im Weg, aber irgendwann habe ich dann diese Position mit den Verkehrsschildern gefunden.

Im Original ist das Bild natürlich in Farbe. Aber die Schilder sind rot, und egal, was die Bildbearbeitung in Sachen Kontrast, Sättigung, Abdunklung auch hergibt: Rot zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Doch mein Motiv sind nicht die Schilder, sondern es ist das legendäre Hochhaus, daher war die Umwandlung in Schwarzweiß nötig. Und ja: Zwischen Schildern und Empire State Building stehen weitere Häuser, und es waren auch drei Zimmer erleuchtet. Die habe ich aus Gründen der Konzentration aufs Motiv weggestempelt. Ich weiß, dass das nicht jeder gutheißt, aber ich verweise auf mein Bild vom 1. März, unter dem ich etwas sage über den Unterschied zwischen Fotografieren und Bildermachen.

 

23.3.2016 – Ein Meister bei der Arbeit

Wir sehen hier jemanden, den man nicht alle Tage sieht – Tsunemi Oyama ist einer von nur vier Takumi beim Autohersteller Nissan. Takumi nennt man in Japan besonders gut ausgebildete Handwerksmeister, und Oyama und seine drei Kollegen sind die einzigen, die Plaketten mit ihrer Unterschrift am V6-Motor des Sportwagens Nissan GT-R anbringen dürfen – nachdem sie ihn in Handarbeit zusammengebaut haben. Aufgenommen habe ich das Bild bei der Automesse in New York, wo die neueste Ausbaustufe des GT-R vorgestellt wird, und wo einer der vier Takumi immer mal live an einem Motor herumschraubt (momentan dürfte also kein weiterer GT-R entstehen).

Wegen der Basecap auf dem Kopf hätte ich eigentlich blitzen sollen, aber ich wollte erstens die Konzentration nicht stören, und zweitens fotografiere ich unter dem Kunstlicht der Messehallen ohnehin lieber ohne Blitz, mir gefällt einfach diese besondere Lichtstimmung. In der Bildbearbeitung habe ich später einen Radialfilter auf Oyamas Gesicht gelegt und die Belichtung um 0,75 Blendenstufen erhöht. Die weiteren Bearbeitungsschritte folgen meinem üblichen Stil: Klarheit, Kontrast, Dynamik und Belichtung ein Stück nach oben, Weiß ebenfalls rauf und Schwarz runter, dazu passt hier auch noch eine Vignette. Außerdem habe ich Verlaufsfilter von links oben nach rechts unten und umgekehrt gezogen und das Bild darunter etwas abgedunkelt, damit das Gesicht des Meisters besser zur Geltung kommt. 

 

22.3.2016 – American Icons

Auf den ersten Blick sind es vier typische USA-Symbole, die man auf diesem Bild sieht – der Kenner identifiziert allerdings auch fünf. Gehen wir es kurz durch: Hier legt offensichtlich jemand eine Verschnaufpause ein, der sich als Freiheitsstatue verkleidet und normalerweise gegen ein paar Dollar Fotos mit Touristen macht. Symbol eins ist also die Statue of Liberty selbst und Nummer zwei natürlich die Nationalflagge – auch wenn die Stars and Stripes hier ein wenig achtlos zusammengeknüllt wurden. Symbol Nummer drei ist das McDonald's-Logo – ein American Icon der Moderne,  genau wie der Ford Mustang, dessen Foto zufällig über dem Schnellrestaurant eingeblendet wurde, als ich hier fotografierte. Hier, das ist in diesem Fall der Times Square in New York, also American Icon Nummer fünf.

Man erkennt den Times Square auf diesem sehr verdichteten Bild natürlich nicht sofort, theoretisch könnte das auch irgendwo in Chicago sein. Aber der exakte geografische Kontext ist auch gar nicht in jedem Bild notwendig. Irgendein Kontext ist schön (hier ist es die Reihe der amerikanischen Symbole), aber man muss nicht immer sofort wissen, wo man ist. Gerade auf berühmten Plätzen, wo sich so viel Leben abspielt, ist es interessant, auch mal dichter heranzugehen und Details, einzelne Menschen oder Gruppen zu fotografieren. In einer Bilderserie aus dem Urlaub wirkt so ein Bild hervorragend neben den Totalaufnahmen und Selfies, die man sonst so macht. Normalerweise ist es natürlich besser, Personen nicht von hinten, sondern von vorn zu fotografieren, aber in diesem Fall war die Symbolreihe Stars and Stripes, Freiheitsstatue, McDonald's und Ford Mustang eben nur so zu bekommen. 

Ach ja: Weil dies ja wieder ein Streetfoto ist, habe ich es natürlich auch in Schwarzweiß bearbeitet – sieht aber nicht gut aus, das gelbe "M" der Imbisskette geht dann fast völlig unter.

 

21.3.2016 – Happy Family

Das Selfie des Jahres, oder? Ich hätte heute noch viel mehr Leute bei dieser speziellen Art der Fotografie beobachten können, denn das Innere der Grand Central Station in New York beeindruckt die Menschen so sehr, dass sie ihren Besuch dort dringend protokollieren müssen. Diese Familie hat es sich dann so richtig gegeben, und sie haben auch etwas länger versucht, ein wirklich gutes Bild zu machen, so dass ich in Ruhe ein paar Mal abdrücken konnte. Ich mag das Foto sehr, weil sie sich alle so toll Mühe geben, damit aus diesem einen Moment ihrer gemeinsamen Reise etwas Besonderes wird – und dass neun Personen gleichzeitig lächeln und die Augen offen haben, erlebt man ja als Fotograf auch nicht alle Tage. Das Selfie hat auch in dieser Hinsicht eine geradezu magische Wirkung. 

Was die Persönlichkeitsrechte an diesem Streetfoto angeht, kommt hier wieder mein üblicher Disclaimer zum Einsatz: Bei Beschwerden lösche ich das Bild, aber ich erwarte eher, dass sich die Leute freuen, und biete die Originaldatei und einen schönen Ausdruck an.

Vielleicht noch ein Wort zur Bildgestaltung. Ich stand exakt in der Mitte der Szenerie, ich habe mich nämlich ans mittig angebrachte Treppengeländer gelehnt. Leider stand die Familie selbst nur gefühlt in der Mitte, und ich hatte nun die Wahl, beim Bearbeiten entweder die legendäre Uhr des New Yorker Hauptbahnhofs in die Mitte des Bildes zu nehmen oder die Familie. Beides gleichzeitig ging nicht – bis ich das Foto ein bisschen gekippt habe

To the family on the photo: If it bothers you that I uploaded this picture to my website, please accept my apologies. Send me an e-mail, and I'll delete it immediately (by the way: nobody can download the pic from here). But if you like this picture as much as I do, please contact me anyway, and I 'll be happy to send you the hi-res file and additionally a large hi-res print. 

 

20.3.2016 – Homeward bound

Ich bin zwar viel unterwegs, aber ansonsten bin ich ganz normal: Ich freue mich, heute Abend meine Frau wieder zu sehen (wenn sie von der Arbeit kommt, denn inzwischen bin ich zu Hause), und ich habe aus Südafrika ein Souvenir für meinen Enkel mitgebracht. Für das Foto des Tages musste wieder mal ein Stück Flughafen herhalten, weil ich jetzt am Nachmittag noch zu arbeiten habe. Aber mir ist zu meinem heutigen Foto dennoch etwas eingefallen, das sich zu erzählen lohnt.

Auf dem Rückflug von Kapstadt nach London habe ich angefangen in dem E-Book "Seelenraub" des bekannten Street-Fotografen Thomas Leuthard zu lesen. Das kann man sich kostenlos hier herunterladen, es ist bestückt mit beeindruckenden Street-Fotografien, und der 2013 entstandene Text ist sehr lehrreich, gleichzeitig aber auch irritierend. Wenn ich alles recht verstehe, hat außer Leuthard selbst kaum noch jemand das Talent, anständig fotografisch zu sehen. Er schreibt zum Beispiel, dass er aufgehört habe, Workshops zu geben, weil die meisten Leute es sowieso nicht verstünden, was er meine. Leuthards Selbstbewusstsein wird zwar durch die Qualität seiner Bilder mehr als gestützt, aber ich an seiner Stelle würde das dennoch nicht so heraushängen lassen.

Warum mir das ausgerechnet bei diesem Bild von einem Abfluggate in London-Heathrow einfällt? Weil Leuthard sich in diesem E-Book auch sehr dezidiert gegen das Bearbeiten von Bildern ausgesprochen hat, vor allem gegen das nachträgliche Beschneiden. Man müsse in der Lage sein, die Szene, die man auf dem Foto haben wolle, auch genau so zu fotografieren und am Ende höchstens noch den Horizont gerade rücken oder das Format ändern, etwa in 1:1 oder 16:9. Im Grundsatz bin ich da mit ihm einig, schon weil man durch zu hartes Beschneiden viel Bildqualität und vor allem die Chance auf einen prachtvollen Ausdruck in A3 und größer verliert. Ich habe hier dennoch absichtlich ein bisschen zu großräumig fotografiert und am Ende etwas mehr als 25 Prozent weggeschnitten. Das Foto ist jetzt nicht mehr 5616x3744 Pixel groß (21 MP), was meine Kamera hergäbe, sondern nur noch 4811x3207 Pixel, was 15,4 Megapixel entspricht.

Warum? Ich wollte, dass die untere Reihe der Deckengestaltung exakt parallel zum unteren Bildrand verläuft und gleichzeitig die linke obere Ecke der Anzeigetafel auf der linken senkrechten Drittellinie liegt. Selbst wenn ich eine Mattscheibe mit Drittellinien in der Kamera hätte: Das hätte ich beim Über-Kopf-Fotografieren nicht hinbekommen, ohne vor Schwindel umzukippen, fürchte ich. Daher habe ich zwar auf beide Stellen, die mir wichtig waren, geachtet, aber gleichzeitig etwas Spielraum zum Beschneiden gelassen. Wenn ich mit dem Ziel fotografiere, die Bilder auch zu verkaufen, gehe ich übrigens nie unter eine Auflösung von 4500x3000 – daraus kann man nämlich immer noch propere A3-Ausdrucke machen oder Doppelseiten in Zeitschriften. Für alles darüber hinaus ist mir die Interpolier-Funktion in Photoshop empfohlen worden, die ich allerdings noch nicht selbst nutzen musste. 

Da sich die Leuthard-Fraktion spätestens hier mit Grausen abwendet, kann ich auch erzählen, dass ich selbstverständlich noch andere Korrekturen in dem Foto gemacht habe. Die Schwarzwerte sind z.B. deutlich abgesenkt, weil sonst die eigentliche Decke des Raumes deutlich zu erkennen gewesen wäre und von den kreisförmigen Gebilden der Deckenverkleidung abgelenkt hätte. Kontrast und Sättigung sind erhöht, damit das Bild mehr Punch hat. Und der große angeschnittene Kreis rechts oben hat leider von irgendwoher anderes Licht bekommen als der Rest – im Original ist er gelblich, darum habe ich ihm seinen eigenen Weißabgleich gegeben, um ebenso bläulich zu wirken wie alles andere.

Aber vielleicht bin ich am Ende doch mit Leuthard einig (auch wenn er mir in Sachen Street Photography meilenweit voraus ist): Ich habe exakt das Bild erhalten, das ich gesehen habe.

 

 

19.3.2016 – Große afrikanische Kunst

Kunstwerke im Hotel – das ist oft so eine Sache, selbst bei den guten Häusern. Aber die letzten beiden Tage war ich in einem Haus in Südafrika, dessen Besitzer einen geradezu überwältigend guten Geschmack hat. Afrikanische Ebenholzfiguren sind oft nicht mehr als Kunsthandwerk, bisweilen nicht mal das. Aber was hier an lebensgroßen Modellen in der Lobby steht, hat mich tief beeindruckt, genauso wie die Fotografien und Gemälde an den Wänden, selbst in den Zimmern hängen wirklich gute Sachen. 

Leider kann ich nur wiederkommen, wenn hier noch einmal eine Autopräsentation stattfinden sollte, ansonsten sind nämlich Kunstwerke und Zimmer für mich unerreichbar. Darum habe ich mir heute ein Andenken aus dem Foyer produziert.

Hier stellt sich natürlich gleich die Frage: Kann, soll, darf man Kunst einfach so fotografieren? Also, man kann das natürlich ganz einfach tun, so wie alles andere. Man sollte allerdings versuchen, die Kunst in einen neuen Kontext zu stellen, was mit Ausschnitten und Kombinationen ganz gut gelingt. Architekturfotografie ist ja auch mehr, als einfach nur das ganze Haus sauber abzubilden. Und ich denke, wenn man einen erkennbar eigenen Ansatz hat, dann darf man Kunstwerke wohl auch fotografieren – sogar solche, die nicht im öffentlichen Raum stehen. Allerdings: Ich weiß das nicht genau und müsste das noch nachprüfen. Oft steht bei nicht öffentlichen Kunstwerken ja schon das Hausrecht des Besitzers dem Fotografen entgegen. Das kam in meinem Fall aber nicht zur Anwendung, denn ich habe ausgiebig und ohne Heimlichkeit fotografiert, und keiner hat sich beschwert.

 

18.3.2016 – Ecstasy statt Emily

An eine gewisse Emily denken die meisten, wenn sie die Kühlerfigur eines Rolls-Royce sehen, aber das ist falsch: Die geflügelte Dame heißt Spirit of Ecstasy, ganz gleich, ob es sich um einen uralten Rolls handelt oder um das neueste Modell wie hier auf dem Foto. Ich bin heute den ganzen Tag mit eben diesem Rolls-Royce Dawn unterwegs gewesen, und ich könnte behaupten, der Wagen (ein Cabriolet) zeichne sich durch eine gläserne Spirit of Ecstasy aus, aber das wäre ebenfalls falsch, und zwar gleich doppelt: Erstens ist die SoE standardmäßig verchromt, wir sehen hier also ein aufpreispflichtiges Extra, und zweitens ist das Material, was so gläsern wirkt, kein Glas, sondern Kunststoff. Die Wahrheit kann so ernüchternd sein. 

 

17.3.2016 – Schwerkraft? Nein, danke

Wozu die Fotografie in der Lage ist, zeigt für mich dieses Bild – eine Momentaufnahme schaffen. Natürlich kann auch dieser junge Mann hier nicht die Schwerkraft aufheben, aber das Foto, aufgenommen mit einer Belichtungszeit von weniger als 1/1000 Sekunde, vermittelt  doch den Eindruck. Dabei ist es ein Trampolin, das den Artisten aufwärts beschleunigt, nachdem er vorher von der oberen Kante gesprungen war. Dass er in der Aufwärtsbewegung mit den Füßen an der Wand entlang schreitet, ist allerdings kein Zufall, sondern Ergebnis seines Trainings.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Wie sind solche Bilder eigentlich früher entstanden, ohne Autofokus und auf Film? Ich habe hier natürlich die Serienbildfunktion meiner Kamera (10 Bilder/Sekunde) genutzt und die automatische Nachführung des Autofokus noch dazu. Nach rund zehn Minuten war ein passendes Bild im Kasten – schlechter als früher ist heute nur, dass man so viele Aufnahmen sichten muss, bevor man den gelungenen Schuss wiederfindet.

 

16.3.2016 – Big Teddy

Flughäfen sind Shoppingmalls mit angeschlossener Reisemöglichkeit, und ein wunderbares Beispiel dafür ist diese Aufnahme aus der Harrods-Filiale in London-Heathrow. Der "6ft Rodney Bear" steht hier zum Verkauf, für nur 1583,30 Pfund statt regulär 1900. Als Erwachsener frage ich mich, wer wohl diesen Beinahe-1,80-Meter-Kerl ins Handgepäck bekommt, das kleine Mädchen denkt da sicher etwas einfacher: Oh, was für ein toller Bär.

Die Bewegungsunschärfe des Mädchens ist übrigens Absicht, damit sie möglichst nicht erkennbar ist. Das hat nicht ganz geklappt (Mädchen zu langsam, Kamera zu schnell), und nun könnte man wieder mit Persönlichkeitsrechten kommen, gerade bei Kindern etc. Ja. Alles richtig. Aber das hier ist kein heimliches Bikinifoto, sondern Street Photography im eigentlichen Sinne. Alltag, ein Moment, normales Leben. Und mal wieder lautet hier mein Grundsatz: Wenn ich eine Beschwerde bekomme, lösche ich das Bild. Aber wahrscheinlicher scheint mir, dass das Foto dem Mädchen und seinen Eltern gefallen wird – für den Fall bekommt sie einen schönen großen Ausdruck davon geschickt.

To the little girl and her parents: If it bothers you that I uploaded this picture to my website, please accept my apology. Send me an e-mail, and I'll delete it immediately (by the way: nobody can download the pic from here). But if you like this picture as much as I do, please contact me anyway, and I 'll be happy to send you the hi-res file and additionally a large hi-res print. 

 

15.3.2016 – Zufriedenheit im Job

Es gibt ja ein paar Traumjobs im Leben, und dieser Mann sieht nicht nur so aus, als hätte er so einen Beruf – er hat ihn wirklich: Andreas Stadlbauer aus Salzburg leitet das Unternehmen, das neben anderen Spielwaren für die Carrera-Autorennbahnen zuständig ist. Ich persönlich war zwar ein Märklin-Sprint-Kind, aber ich freue mich heute schon auf den Tag, an dem mein Enkel (siehe gestern) alt genug wird, dass ich ihm eine Carrera-Bahn schenke. Oder ein großes, dickes ferngesteuertes Auto, wie sie hier zu sehen sind – natürlich auch von Carrera.

Das Foto ist in der Spielwarenabteilung des KaDeWe in Berlin entstanden, und es zählt – wie so häufig, wenn Manager zu sehen sind – zur Kategorie der von mir so genannten Minutenporträts. Stadlbauers Rückflug stand an, und wir haben uns vielleicht zehn Minuten mit dem Fotografieren beschäftigt. Die Eile kann bisweilen zu einer gewissen Unentspanntheit auf beiden Seiten führen, aber dem wirkt man wunderbar entgegen, wenn das Modell mal nicht in die Kamera gucken muss. Ich habe diese Aufnahme für heute ausgesucht, weil man trotz des abgewandten Kopfes noch schön die Augen sehen kann. Und weil der Carrera-Chef beim Blick auf seine Autos eben so wunderbar mit sich im Reinen ist.

Mehr zum Anlass dieser Aufnahme demnächst in der "Welt am Sonntag".

 
 
14.3.2016 – Tag eins

Ich darf hier mal persönlich werden, also persönlicher als sonst – und meinen Enkel vorstellen, der zum Zeitpunkt der Aufnahme exakt 22 Stunden und zwölf Minuten alt war, also so was von neugeboren, das glaubt man ja nicht. Meine Frau und ich hatten einen sehr beeindruckenden Nachmittag, und es gab natürlich ein schönes kleines Privat-Shooting mit dem Kleinen und seinen Eltern. Ich bin froh und stolz, Bilder vom ersten Lebenstag meines Enkels zu haben. 

Im übrigen bin ich ab sofort auch nicht mehr der Meinung, dass alle Babies gleich aussehen ;-)

 

13.3.2016 – Farbiges Schwarzweiß

Ja, man ahnt es, ich bin immer noch im selben Hotelzimmer. Eigentlich verbiete ich mir zwei ähnliche Bilder nacheinander, aber heute werde ich den ganzen Tag in einer Fortbildungsveranstaltung bei Mannheim sein, und am Ort des Geschehens gibt es kein WLAN. Da ich danach sechs Stunden Autofahrt vor mir habe, gehe ich heute auf Nummer sicher und poste ein weiteres Hotelzimmerbild, dieses Mal ist es die Armatur in der Dusche. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich vielleicht herausgefunden, wie man so etwas auch direkt von vorn fotografiert, ohne dass Mann und Maschine sich im Chrom spiegeln, aber darüber kann ich im Moment leider nicht nachdenken. 

In der Bearbeitung hat dieses Motiv natürlich nach HighKey geradezu geschrien. Ich habe im Verlauf der Arbeit auch eine Schwarzweiß-Umsetzung probiert, aber die gefiel mir doch nicht so. Dieses hier nenne ich "farbiges Schwarzweiß".

 

12.3.2016 – Angenehme Träume

Perfekt hergerichtet und blitzblank sauber – so hat mich heute mein Hotelzimmer empfangen. Und obwohl ich das natürlich gut fand (wer will schon ein schmuddeliges Zimmer?), habe ich überlegt, ob es nicht auch eine dunkle Seite hinter dieser feinen Fassade gibt. Ehrlich gesagt, kann ich das nicht wirklich sagen, aber mithilfe der Fotografie ist es möglich, Zimmer und Bett aussehen zu lassen, als wäre dieses Ensemble hier Schauplatz eines Horrorfilms. Der Trick: Drei Stufen Unterbelichtung, danach in der Bildbearbeitung die Lichter und die Weißtöne wieder hochgezogen und den Weißabgleich Richtung blau verschoben.

Jetzt traue ich mich nur nicht, schlafen zu gehen ...

 

11.3.2016 – Ich seh dir in die Augen, Kleines

Manche Dinge hält man ja nicht für möglich, bis man sie selbst sieht. Ich bin heute durch meinen Wohnort Königs Wusterhausen gelaufen, um vielleicht mal wieder jemanden für ein Foto anzusprechen, aber dann kam ich am Geschäft von Optiker Krüger vorbei und dachte: Mehr Blickkontakt geht jetzt auch nicht als in dieser Schaufensterdekoration. Selbstgebastelte Augäpfel, handbemalt und mit deutlichem Silberblick auf die Häkeldecke gelegt  – wenn ich nicht schon eine Brille hätte, ich wollte sofort eine haben. Wahnsinn.

 

10.3.2016 – Nummer 5 lebt nicht

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Heute habe ich ganz gegen meine Gewohnheiten ein Foto gemacht, das Rätsel aufgibt – oder weiß irgendjemand auf Anhieb, was hier abgebildet ist? Das Interessante an diesem Rätsel ist, dass das Bild selbst total klar ist. 

Nichts ist versteckt, verhüllt oder manipuliert. Auch die Größenverhältnisse treten klar zutage, und das Gebilde mit der Nummer 5 sitzt geradezu klassisch auf der oberen horizontalen Drittellinie, außerdem hält es genau die Mittelposition zwischen linkem und rechtem Rand – keine Tricks, nirgends. Auch nicht, was die Brennweite angeht: Hier ist weder ein verzerrendes Weitwinkel- noch ein stauchendes Teleobjektiv zum Einsatz gekommen. Was den Betrachter verwirrt, ist allein die Draufsicht. Man sieht nur die vordere Front des Motivs, es fehlt die Information, was dahinter ist. Jeder Spaziergänger wird aus dieser Szene sofort schlau, weil er von schräg oben hinsehen kann, aber ich habe wie gestern die bodennahe Position eingenommen. Dieses Mal jedoch nicht, um den Blick zu erweitern, sondern um ihn zu verengen. Vorschläge zur Lösung des Rätsels werden angenommen unter mail@stefananker.com.

 

9.3.2016 – Vorschlag für ein Urlaubsfoto

Ich habe natürlich keinen Urlaub, aber ich wollte heute nicht schon wieder ein Bild vom neuen Mercedes einstellen. Also habe ich ein paar Minuten am Praca do Comercio in Lissabon verbracht – ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was dieser Platz bedeutet, aber er sieht irgendwie bedeutend aus. Und viele Lissabon-Besucher werden hier sicher ihre Kameras zücken, um ein Bild zu machen, das dann mutmaßlich oft langweilig aussieht.

Ich plädiere daher für dreierlei. Erstens: Nicht verzagen, wenn das Wetter schlecht ist, man kann immer fotografieren. Zweitens: Perspektive wechseln, unbedingt. Hier habe ich erst die Entfernung per Autofokus bestimmt, dann den Autofokus abgeschaltet und die Kamera auf den Boden gestellt. Leicht nach oben gekippt (auch zur Seite mal wieder, ich kann halt nicht widerstehen) und abgedrückt, so macht selbst eine Brennweite von 28 Millimetern einen super-weitwinkligen Eindruck. Drittens: Bildbearbeitung is King – Boden heller, Himmel dunkler, Palast gelber, das muss einfach sein.

 

8.3.2016 – Das ist ja eh klasse

Wieder mal ein Auto, aber dieses Mal nicht 1:43 wie vorgestern, sondern 1:1. Ich bin in Portugal, um die neue Mercedes E-Klasse testzufahren, und auf dem Weg zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes, habe ich ein Autoporträt vor eben diesem Kap gemacht. Die Sonne stand nicht ganz optimal, aber man kann sich das an solchen Präsentationsterminen kaum aussuchen, es ist immer wenig Zeit, man fotografiert da manchmal wie ein Urlauber: Motiv sehen, abdrücken, weiter – keine perfekten Voraussetzungen. Auch weißer Lack ist schwierig, weil er sehr, sehr hell wird, wenn die Sonne ihn anleuchtet, und weil er gleichzeitig deutlich grauer aussieht auf der sonnenabgewandten Seite. Dem Problem bin ich mit ein paar Einzelkorrekturen in der Bildbearbeitung zu Leibe gerückt.

 

7.3.2016 – Ungekämmt

Da musste ich 53 Jahre alt werden, um zum ersten Mal in meinem Leben eine Haubenmeise zu sehen. Wahrscheinlich flattert die in jedem zweiten Garten herum, aber ich gucke halt nicht so genau hin. Jedenfalls sieht dieser kleine Vogel doch recht putzig aus (auch recht modern: Get-up-Look), und ich musste nur fünf Minuten still auf der Terrasse sitzen, bis er den alten Birnbaum gegenüber ansteuerte und freundlicherweise einen Zweig fast genau auf meiner Augenhöhe besetzte.

Wenn man mit der Kamera auf Vogeljagd ist, freut man sich außer über Jagdglück über zweierlei: lange Brennweite (habe nur 200 Millimeter, das Foto ist zugeschnitten) und schnelle Kamera (habe ich). Meine macht zehn Bilder pro Sekunde, und die kann man bei dem hektischen Gehüpfe dieser Fluchttiere auch gut gebrauchen. Ein schneller Autofokus hilft ebenfalls – und die Leute, die vor 50 Jahren komplett manuell und analog solche Bilder gemacht haben, sind einfach nur Helden, oder?

 

6.3.2016 – Lichtkante

Im Autodesign dreht sich alles um Proportionen, und das zweitwichtigste sind saubere Lichtkanten. Die Designer sind immer sehr stolz, wenn es keine unkontrollierten Reflektionen auf dem Lack gibt, sondern stattdessen das Licht die entscheidenden Karosserielinien betont. Je luxuriöser oder sportlicher ein Auto ist, umso wichtiger. In der Autofotografie tut man gut daran, die Ideen der Designer nachzuvollziehen und mit dem eingesetzten Licht genau die Kanten und Linien herauszuarbeiten, um die es geht. Nicht immer hat man zwei Traumwagen zur Verfügung, aber zum Üben tut es auch der Maßstab 1:43. 

Ich habe die Modelle des neuen McLaren 570 GT (rechts) und des schon zwei Jahre alten McLaren 650 S auf eine orangefarbene Pappe gestellt und die Szene mit zwei Blitzen ausgeleuchtet. Das Raumlicht hat hier keine Rolle gespielt – bei einer Belichtungszeit von 1/125 Sekunde, Blende 11 und ISO 400 wird das Bild trotz eingeschalteten Deckenlichts einfach nur schwarz. Die Blitze müssen in diesem Foto dreierlei leisten. Erstens: Fahrgastzelle und Schulterlinie der Autos müssen sich vom Rest absetzen, ohne dass das Blitzlicht störende Einzelreflektionen erzeugt. Zweitens: Die Fensterscheiben dürfen nicht spiegeln. Drittens: Scheinwerfer und Felgen müssen gut ausgeleuchtet sein.

Bei echten Autos wird man ohne große Lichtformer kaum auskommen, im kleinen Maßstab richtet man einfach den Hauptblitz gegen die Decke. Diese kostenlose Mega-Softbox verteilt das Licht so, dass es ganz weich aufs Auto fällt, ohne Einzelreflektionen zu verursachen. Falls die Scheiben spiegeln, kann man den Blitz (er steht rechts von den Autos und blitzt mit halber Leistung) ein bisschen drehen und schieben, bis alles passt. Um Scheinwerfer und Felgen zu beleuchten, habe ich einen zweiten Blitz links neben die Autos gestellt und ihn mit minimaler Leistung (1/128) abgefeuert. Dabei reicht das Licht natürlich nicht mehr bis zur Decke und zurück, also habe ich in ca. 50 cm Entfernung ein Stück Styropor über den Blitz gehalten. Direkt auf die Autos gerichtet, hätte es Einzelreflektionen gegeben, außerdem hätte der Bildlook sehr hart gewirkt, trotz Mini-Leistung. In der Bildbearbeitung habe ich lediglich die Lichter etwas angehoben, das Orange des Hintergrundes extra gesättigt und eine Vignette um die Autos gelegt.

Was mich hier noch stört, ist die Ausrichtung der Räder. Beim grünen McLaren habe ich die Markenlogos auf den Radnaben exakt gleich positioniert, leider stehen nun aber die Felgen unterschiedlich – da sieht man den Unterschied in der Verarbeitungsqualität zwischen echtem Auto und Modell. Und beim blauen McLaren hätte ich den Felgenstern auch gern anders gehabt – doch das ist ein reines Sammler- und Show-Modell, dessen Räder sich nicht drehen lassen.  Man kann sich also noch so viel Mühe geben, irgendetwas ist halt immer. Damit muss man dann leben.

 

5.3.2016 – Das Fernsehen ist da

Heute habe ich mich mal als Fotoreporter betätigt, allerdings ohne Auftrag, sondern aus privatem Interesse. Bei uns im Wald hat sich die Bürgerinitiative gegen den geplanten Windpark getroffen und ein Reporterteam vom RBB empfangen. Sehr beeindruckend fand ich, dass auch noch zwei Vertreter der Firma dazustießen, die die Anlage bauen – während der Bürgermeister von Königs Wusterhausen und der Landrat des Kreises Dahme-Spreewald zwar angefragt waren, aber nicht gekommen sind. Rund zwei Stunden war das Drehteam da und hat für die zwei Beiträge (einer heute Abend über ca. 90 Sekunden, ein weiterer morgen Abend für ca. fünf Minuten) sehr viel Aufwand getrieben, extrem viele O-Töne eingeholt. Da bin ich wirklich gespannt auf das Ergebnis des Schnittes.

Als Fotograf muss man bei solchen Ereignissen auf drei Dinge achten. Erstens: Es sollen möglichst keine Hinterköpfe im Bild sein – wenn aber doch, wie hier, dann braucht es Ausgleichsmaßnahmen. In diesem Fall sind es die Kamera auf der Schulter des Kameramannes und das Mikrofon in der Hand der Reporterin. Beide Gegenstände identifizieren die Szene und machen verständlich, warum die beiden Menschen uns den Rücken zudrehen. Außerdem ist da der befragte Mann in der Mitte, der uns eine auffällige Kopfhaltung bietet, und dann sehen wir rechts die vielen Leute, die sehr interessiert in dieselbe Richtung schauen, nämlich zum interview. Zweitens: Es darf erkennbar sein, worum es geht – dabei hilft natürlich das Spruchband, das die engagierten Bürger freundlicherweise mitgebracht haben. Drittens: Es muss so aussehen, als wäre die Fotokamera mittendrin gewesen – deswegen ist geradezu zwingend der Einsatz eines Weitwinkelobjektivs nötig, und mit dem muss man dann nah herangehen. Hier habe ich mit 24 Millimeter Brennweite fotografiert, das Bild hinterher aber noch beschnitten, wahrscheinlich sehen wir jetzt den Ausschnitt, den ein 35-Millimeter-Objektiv standardmäßig erzeugt hätte. Für den Mittendrin-Eindruck schadet es auch nicht, eine etwas tiefere Perspektive einzunehmen. Wer meinen Bildern regelmäßig folgt, weiß zudem, dass ich die Kamera gern mal schräg halte. Bei so einem Veranstaltungsmotiv unterstützt die Abweichung von der Horizontalen den Eindruck, als wäre es dort hektisch zugegangen. 

Alles in allem geht es darum, dass ein Foto von einer Veranstaltung, bei der sich viele Menschen treffen, so wenig statisch wie möglich wirkt. Man muss ja irgendwie noch eine Chance haben gegen die Leute, die Videos drehen. 

 

4.3.2016 – Narzissus und der Tulipan

Man kann die Menschen wirklich schockieren, wenn man zugibt: Ich mag Blumen nicht besonders. Das ist bei mir tatsächlich so, ich interessiere mich daher auch nicht sonderlich für Blumenfotografie. Aber heute hat meine Frau einen Strauß Narzissen bekommen (was soll ich sagen: nicht von mir), und gestern schon waren Tulpen ins Haus gekommen. Da fiel mir ein Lied ein, das wir in der Schule oft gesungen haben: Geh aus mein Herz und suche Freud. In der zweiten Strophe kommt die schöne Zeile vor: "Narzissus und der Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide." 

Also habe ich heute Narzissus (vorn, scharf) und Tulipan (hinten, unscharf) auf einem Foto zusammengebracht und dabei wieder mit meinen Blitzen herumexperimentiert. Am Ende ging das am besten so: Blitz 1 habe ich neben die Kamera gehalten und an die Decke gerichtet, so leuchtet er den Kelch der Narzisse aus, ohne Schatten auf die Blütenblätter zu werfen. Blitz 2 steht hinter dem Tulpenstrauß und setzt ein paar Akzente. Später habe ich das Bild in Richtung HighKey entwickelt, also die hellen Anteile extra betont. Die tiefen Töne habe ich jedoch nicht entsprechend heruntergedreht, sondern darauf geachtet, dass das Foto im Hintergrund auch dunkle Anteile hat, damit sich die Narzisse besser abhebt. Ziel war, ein farbenfrohes und positives Bild zu schaffen, daher habe ich auch die Farbwirkung (Sättigung und Dynamik) noch etwas erhöht.

 

3.3.2016 – Spy of Bridge

Zugegeben, ich habe den Film noch gar nicht gesehen, aber dieses ist die Bridge of Spies – die Glienicker Brücke, die Berlin mit Potsdam verbindet. Hier wurden im Kalten Krieg Spione ausgetauscht. Ich hatte heute Abend ganz in der Nähe zu tun und wollte daher mein Foto des Tages genau dort machen. Eigentlich dachte ich, die Brücke wäre bis zur Spitze der Konstruktion beleuchtet, aber das ist sie nicht, und so sah ein Bild ohne Mensch etwas trostlos aus. Weil sehr lange niemand des Wegs kam, habe ich den Selbstauslöser eingesetzt, um ein leicht verwaschenes Foto von mir zu machen.

Verwaschen ist es darum, weil ich für 15 Sekunden belichtet habe, und so lange kann nicht mal ich ganz ruhig dastehen. Habe ich streng genommen auch nicht, sondern ich bin nach gut zehn Sekunden aus dem Bild gegangen, weshalb es so wirkt, als wäre ich durchsichtig. Dabei sollen Spione doch eher undurchsichtig sein.

Wer mir übrigens erklären kann, warum die weiße Scheinwerferspur durch mich hindurchgeht, während ich die rote Rückleuchtenspur verdecke, den rufe ich zum Helden der Fotografie aus. Ich musste auch ein bisschen überlegen, bis ich auf die Lösung kam, aber vielleicht ist sie ja gar nicht richtig. Vorschläge bitte an mail@stefananker.com.

 

2.3.2016 – Alles gar nicht wahr

Willkommen in der virtuellen Realität. Am Ford-Stand beim Genfer Autosalon kann man ein bisschen im Auto herumfahren, ohne sich vom Fleck zu bewegen. Das finde ich toll, nicht nur unter der Brille, sondern auch von außen betrachtet.

Denn es gibt in der Fotografie wenig, was reizvoller ist, als Menschen dabei zu beobachten, wie sie etwas tun. Richtig, die junge Frau hier tut eigentlich gar nichts. Doch obwohl man ihre Augen nicht erkennen kann, sieht man ihr eines sofort an: höchste Konzentration.

 

1.3.2016 – Scène à la Scénic

Okay, im Französischen bin ich nicht annähernd so gut wie im Englischen, aber ich glaube ganz fest daran, dass "Scène à la Scénic" so viel heißt wie "Szene auf Scénic-Art". Und genau das ist es, was wir hier als Momentaufnahme vom Genfer Automobilsalon sehen: Das Foto wirft einen Blick von oben auf den Renault-Stand, wo nicht nur der neue Minivan Scénic zelebriert wird, sondern auch eine Lichtshow mit beweglichen Kunststoffkugeln. Diese Kugeln wechseln regelmäßig die Farbe, ich habe alles Mögliche fotografiert, mich am Ende aber für Blau entschieden. 

Das selektive Licht auf die Autos ist tatsächlich Bestandteil der Stand-Inszenierung, ich habe den Effekt allerdings noch betont durch eine leichte Unterbelichtung. In der Nachbearbeitung habe ich Kontrast und Weißtöne angehoben und im Gegenzug die Schwarztöne abgesenkt. Außerdem ist der Weißabgleich in Richtung kühle Farben verschoben, zudem habe ich mich extra um die Farben Blau und Gelb/Orange gekümmert, damit die Lichtkugeln und die Autos im Hintergrund genauso überzeugend aussehen wie das silberne Auto vorn. Das leidet im Originalfoto zwar unter der unausgewogenen künstlichen Beleuchtung, ich habe aber in der Nachbearbeitung weitgehend die Schatten von der Karosserie vertrieben und den ganzen Wagen etwas aufgehellt. Ziel war, dass das ganze Bild ausgewogen aussieht – und dass der Scénic im Vordergrund auf Anhieb als bildwichtigstes Element, als eigentliches Motiv wahrgenommen wird.

Hätte man das nicht gleich so fotografieren können? Vielleicht – aber gewiss nicht mit einer einzelnen Reportagekamera und ohne zusätzliches Licht. Ich finde Bildbearbeitung wichtig, sie gehört für mich untrennbar zur Fotografie dazu. Wenn man sich daran gewöhnt, vom Bildermachen zu sprechen statt vom Fotografieren, dann hat man auch nicht mehr so große Hemmungen beim Einsatz von Lightroom & Co.

 

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