Projekt  366: Februar 2016

Jeden Tag eine gute Tat – das ist schwierig. Aber wie wäre es mit einem guten Foto an jedem Tag dieses Schaltjahres 2016? Auch nicht einfach, aber ich werde es versuchen. Die Regeln: Ich bin frei, was Motiv, Farbe und Format angeht, auch darf ich entscheiden, ob ich das Handy nehme oder die Spiegelreflex, ob ich das Bild bearbeite oder nicht, ob ich in Berlin, Hintertupfingen oder sonstwo auf der Welt fotografiere. Gebunden bin ich dagegen ans Datum: Ich muss jeden Tag ein Bild machen und hochladen, es darf keine Archivaufnahme sein, und ich darf auch nichts auf Vorrat fotografieren, um es später hier einzustellen. Kann jemand nachprüfen, ob ich mich daran halte? Leider nein. Ich empfehle, Vertrauen zu haben.

Da ist natürlich noch die Sache mit der Uhrzeit. Es ist mir leider unmöglich, jeden Morgen um zehn oder jeden Nachmittag um 16 Uhr ein neues Bild zu veröffentlichen, dazu verläuft mein Leben zu unregelmäßig (manchmal auch in anderen Zeitzonen). Meine Prognose ist, dass die meisten Bilder erst am Abend soweit sein werden. Wer hier nicht mehrfach am Tag nachschauen will, dem rate ich, nach dem Betrachten des ersten Bildes 48 Stunden zu warten und danach alle 24 Stunden wiederzukommen. Dann sollte für ihn/sie immer ein neues Foto zu sehen sein. 

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29.2.2016 – Kein Planespotting

Erst dachte ich: Mein Gott, die Flugzeuge stören, als ich so meine Studien mit dem Stacheldraht am Genfer Flughafen machte. Aber dann beschloss ich, mal extra auf den nächsten Flieger zu warten, um ihn genau in einem Drahtkarree zu treffen. Voila!

Ja, das Flugzeug ist unscharf, aus Sicht eines Planespotters ist dieses Bild sicher Ausschuss. Da ich aber keine Dokumentation über Flugzeugtypen und Fluggesellschaften mache, sondern nach einem ästhetisch anprechenden Bild suche, war die Unschärfe sogar beabsichtigt. Leider hat diese Unschärfe zusammen mit der Anhebung der Weißtöne die Flügelspitzen des Jets verschwinden lassen. So wirkt das Flugzeug ein bisschen unproportional, das gebe ich zu. Die Alternative wäre aber ein komplett grauer Himmel gewesen, und dann hätte ich den klaren Schwarzweiß-Kontrast im Bild nicht erzielen können.

Ich habe hier übrigens nicht den Serienbildmodus verwendet, weil ich die ältere und langsamere meiner beiden Kameras dabei hatte, die also nicht zehn Bilder pro Sekunde schafft, sondern nur 3,5. Das ist ein Unterschied, und bei der älteren Kamera kann man wirklich ewig warten, bis man eine  Bewegung genau an der geplanten Stelle eingefangen hat. Da löse ich lieber einzeln aus, so treffe ich oft besser.

 

28.2.2016 – Babybauch 2.0

Jetzt wurde es aber höchste Zeit, dass wir den zweiten Teil des Babybauchshootings schaffen (siehe Foto vom 13.2.) – man sieht ja, dass das Kind nicht mehr lange warten wird. Andererseits: Wenn schon Babybauch, dann auch richtig und nicht nur so eine Sechsmonats-Beule.

Ort der Handlung ist hier das Spreeufer im Berliner Stadtteil Köpenick, überwiegend hatten wir es mit Sonne zu tun, aber weil ich sonnenloses Fotografieren ja gut finde, habe ich das Paar auch unter der Brücke anhalten lassen. Der junge Vater hat, als ihm bewusst war, dass er nicht im ganz scharfen Bereich des Bildes zu sehen sein würde, mir gleich allerhand Faxen angeboten, das fand ich gut. Und seine Freundin durfte nicht gucken, die musste ja zu mir schauen. Trotzdem sieht sie dieses Bild natürlich nicht erst jetzt – ich gehöre zu den Fotografen, die die Modelle ab und zu mal aufs Display schauen lassen. Da gibt es auch andere Denkschulen, aber ich finde, ein gelungenes Foto zwischendurch motiviert für weitere Taten.

 

27.2.2016 – Brüder, zur Sonne!

Ja, die Überschrift ist wieder politisch, dafür ist das Foto aber heute wirklich nur ein Foto. In unserem Garten arbeiten sich langsam die Krokusse nach oben, und diese hier (vor allem der große) werden sich wohl morgen schon öffnen. Vielleicht finde ich später noch einmal die Gelegenheit, die Kelche von oben zu fotografieren, für heute habe ich mich mit dem magischen Moment kurz vor dem Ausbruch begnügt.

Zur Fotografie: Es hilft nichts, bei so einem Motiv wird man nass am Bauch. Oder man hat eine große Rettungsfolie aus Alu zur Verfügung, auf die man sich legen kann. Rein technisch ist das hier eine Makroaufnahme mit nicht übermäßig geöffneter Blende. Die lange Brennweite (100 Millimeter) und der kurze Abstand (ca. 40 Zentimeter) erzeugen allein so viel Unschärfe, dass es schwierig ist, den Blütenkelch von vorn bis hinten scharf abzubilden. Mit Blende 5.6 ist es gelungen.

 

26.2.2016 – Unschuldsvermutung

  

Welche Kraft hat der erste Eindruck? Jeder, der dieses Bild hier sieht, wird annehmen, die Kerze im Hintergrund sei mit dem einzigen abgebrannten Streichholz angezündet worden. Doch das Bild allein gibt dafür keinen Beweis. Es könnte ein anderes Streichholz gewesen sein, das ich entweder in dem großen Hölzchenhaufen versteckt oder längst weggeworfen habe.

Ein Wesenszug des Rechtsstaates ist die Unschuldsvermutung: Wer mit einer brennenden Fackel neben einem brennenden Haus angetroffen wird, muss nicht der Brandstifter sein. Es spricht einiges gegen ihn, man sollte ihn festnehmen und dringend befragen. Doch wenn man ihn verurteilen will, braucht man mehr: am besten ein Geständnis, sonst eben Zeugenaussagen und/oder belastbare Ergebnisse der Spurensicherung. Der Anschein darf nicht für eine Geld- oder Freiheitsstrafe herhalten, selbst wenn der Schein in vielen vergleichbaren Fällen nicht getrogen hat. Jeder einzelne neue Fall muss bewiesen werden, denn es darf keine Verurteilung ohne Beweis geben,

Mir scheint, dass viele Menschen heute dieser Grundsätze überdrüssig sind. Sie hätten es gerne einfacher: Jeder Afrikaner ein Sexualtäter, jeder Sachse ein Neonazi, sieht man doch, weiß man doch, ab ins Gefängnis und der Nächste, bitte.

Ich habe mit dem Streichholz übrigens wirklich eine Kerze angezündet. Aber eine andere, die mir nach ein paar Probeaufnahmen nicht mehr gefiel. Diese Kerze hier habe ich dann in die Flamme der ersten Kerze gehalten. Das abgebrannte Streichholz war da schon lange wieder kalt. Es ist unschuldig.

Vielleicht noch zwei Sätze zur Fotografie: Damit nicht die Flamme den ersten Blick auf sich zieht, habe ich das Streichholzbündel erstens in der linken Bildhälfte platziert und es zweitens angeblitzt. So ist es etwas heller geworden als die Kerze, und die Blickführung wird klar (hoffe ich jedenfalls). Damit die Kerze nicht auch vom Blitz beleuchtet wird, habe ich die Blitzleistung so weit wie möglich heruntergeregelt, den Zoom des Reflektors so eng wie möglich eingestellt und den Blitz direkt von schräg oben (ca. 50 cm entfernt) über die Streichhölzer gehalten. So hat die Kerze höchstens ein bisschen Streulicht abbekommen, die gewünschte Lichtverteilung blieb erhalten.

 

25.2.2016 – Der reine Luxus 

Viel los ist nicht in diesem Geschäft, aber das ist wohl auch Absicht. Wir werfen einen Blick in einen Hermès-Shop. Man findet ihn am Flughafen in San Francisco, aber es könnte auch jeder andere Airport sein und wahrscheinlich sogar jeder andere Standort in irgendeiner Großstadt: Diese Geschäfte  sind ganz oft einfach leer. Es kommen selten Leute, weil die Sachen in diesen Läden so teuer sind, dass nicht jeder sich eine Shoppingrunde leisten kann. Ich habe neulich irgendwo den Ausspruch einer reichen Frau gelesen, nachdem das Beste an ihrem Status sei, dass sie sich den Abstand von anderen Menschen kaufen könne. Dieser Abstand ist hier sehr gut zu sehen, finde ich. 

Fotografisch ist so ein Geschäft interessant, weil es durch den symmetrischen Aufbau und die peinliche Ordnung formale Strenge zu bieten hat – die andererseits durch die prächtigen Farben konterkariert wird. Insofern war es auch keine Option, dieses Bild in Schwarzweiß zu bearbeiten. Im Gegenteil, ich habe die Farben per Sättigungs- und Dynamikregler verstärkt. Gleichzeitig habe ich von den Lichtern bis zu den Tiefen alle Regler der Gradationskurve in Richtung hell verschoben, um das Vornehme, Reine, aber auch etwas Aseptische dieses Raumes zu betonen. 

 

24.2.2016 – Blaue Stunde

Ich gebe zu, dieses Bild ist teilweise ein Produkt meiner Fantasie. So ein Licht jedenfalls gibt es wohl nie am Strand von Coronado/Kalifornien, in der Nähe von San Diego. Ich habe mich lange nicht entscheiden können, welches Ergebnis der Bildbearbeitung ich hier veröffentlichen soll – es gibt auch noch eine Version, die dichter am Originalbild liegt (Pastelltöne zwischen gelb und hellblau) und eine, die die Szene komplett in Goldgelb taucht. Das Blau habe ich dann gewählt, weil es mir am ungewöhnlichsten vorkam. Und vielleicht auch, weil die etwas unheimliche Stimmung darin zu dem Wetterereignis passt, dass den Fotoaufnahmen folgte: 45 Minuten nachdem dieses Bild entstanden ist, herrschte dichter Nebel am Strand, der sich später am Abend so schnell auflöste, wie er gekommen war.

Noch ein fotografischer Tipp für solche Aufnahmen: Einen Scherenschnitt-Effekt bekommt man ganz leicht hin, indem man die Kamera auf die geringste Lichtempfindlichkeit einstellt (in der Regel ISO 100) und die Sonne anmisst – aber bitte nur ganz kurz, sonst wird es gefährlich fürs Auge. Bietet die Kamera keine Verschlusszeit an, die kurz genug ist, kann man im nächsten Versuch die Blende weiter schließen. Ich wollte allerdings keinen Scherenschnitt, sondern ich wollte auch noch etwas sehen von den Strukturen des Wassers und des nassen Strandbodens. Darum habe ich die Kamera nach der ersten Aufnahme in den manuellen Modus versetzt und ausgehend von der ersten Gegenlichtmessung mit jedem Schuss mehr Licht zugelassen. Zwei, drei Versuche, und es hat gepasst. Diese Einstellung habe ich dann beibehalten und weitere Fotos gemacht. So konnte ich sicher sein, dass die Bilder so werden, wie ich wollte: Schwarze Menschen, aber der Rest bleibt noch gut zu sehen.

 

23.2.2016 – Leben in der Vorstadt

Kann man gleich sehen, dass das eine Szene aus den USA ist? Ich finde, solche Vorstadtsiedlungen gibt es nur hier. Diese Häuser habe ich von einem Aussichtspunkt hoch über dem Lake Elsinore (Nähe San Diego, Kalifornien) aufgenommen. Ich mag es, Landschaften (und Stadtschaften) mit dem Teleobjektiv zu fotografieren.

 
22.2.2016 – Hier entlang

Heute kein Text – ich bin in Eile, man sieht ja vielleicht an dem Foto, warum. Morgen mehr.

 

21.2.2016 – Zeitreise

Historisches Auto an historischer Stelle. Am Abschlusstag der Histo Monte kam der Tross aus 80 Oldtimern auch auf den legendären Col de Turini, das ist ein bekannter Pass in den Seealpen, der immer noch jedes Jahr für die echte Rallye Monte Carlo genutzt wird. Darum habe ich das dort geschossene Foto eines Porsche 356, der zur letzten Etappe nach Monaco aufbricht, auch so bearbeitet, dass es wie ein Papierfoto aus vergangenen Zeiten aussieht. Details dazu später, denn auf meiner Zeitreise bin ich jetzt ein bisschen im Zeitdruck.

 

20.2.2016 – Landschaft ohne Sonne

Sonnenschein wird überschätzt. Ich habe natürlich nichts gegen die Sonne an sich, auch nicht auf Fotos. Aber wo der Sonnenschein hinkommt, da sind auch (oft harte) Schatten, und darum machen viele Fotografen Porträts gern ohne pralle Sonneneinstrahlung. Landschaftsbilder gehen auch gut ohne Sonne – wenn man das passende Motiv dazu hat. Dieses Bild hier zeigt einen Blick in den Gorge du Verdon, die riesige Schlucht ist bekannt als französischer Grand Canyon. Und weil sie sehr unheimlich wirken kann, hat es mich überhaupt nicht gestört, dass bei tiefem Sonnenstand am Abend die Schlucht komplett im Schatten lag. Das hat das Bedrohliche in dieser Szene nur verstärkt, und mit ein wenig weiterer Verstärkung in der Bildbearbeitung (Hänge dunkler, Wasser heller, Kontrast, Dynamik und Sättigung nach oben, Blautöne anheben) ist ein Landschaftsbild nach meinem Geschmack entstanden. Vielleicht gefällt es nicht jedem, damit muss ich dann leben. Kann ich aber auch.

 

19.2.2016 – Winter-Widerspruch

Vielleicht findet man die Wahrheit in diesem Foto erst auf den zweiten Blick, aber das macht dann ausnahmsweise nichts. Ich bin immer noch auf der Histo-Monte unterwegs, habe heute wieder zwölf Stunden Karten gelesen und in den Sonderprüfungen versucht, meinen Fahrer beim Einhalten der geforderten Durchschnittsgeschwindigkeit zu unterstützen. Ich wollte nur nicht wieder ein Auto fotografieren, also sah ich in der Mittagspause über den Lac Saint-Point (ganz im Osten Frankreichs gelegen, nah an der Schweizer Grenze) und dachte, das Dorf gegenüber mit dem Teleobjektiv, das wäre doch schön. Aber als ich zum Ufer herunterging, sah ich noch mehr – und wusste: Das Dorf kann nur der Hintergrund sein. Und wer die Wahrheit in diesem Bild noch nicht entdeckt hat, dem rufe ich zu: Mein Gott, was hat denn am 19. Februar, wenn es eiskalt ist und überall rundherum Schnee liegt, ein Segelboot auf dem Wasser zu suchen?

Ich würde jedenfalls nicht mitfahren – aber als widersprüchliches Fotomotiv habe ich die Yacht natürlich dankend angenommen.

 

18.2.2016 – Die gute alte Zeit

Morgens um acht ist die Welt noch in Ordnung – jedenfalls war das heute früh so, als sich 80 alte Autos vor dem Mainzer Dom versammelten, um ab neun Uhr im Minutentakt auf große Fahrt zu gehen. Die AvD-Histo-Monte wurde gestartet, ich habe fast zwölf Stunden navigiert (Beifahrerarbeit) und bin daher jetzt etwas wortkarg, was mein Foto des Tages angeht. Vielleicht morgen wieder mehr.

 

17.2.2016 – Master of Desaster

Wahrscheinlich würde dieser Mann in diesem Moment lieber einen Sack Flöhe hüten. Aber Peter Göbel, einer der bekanntesten Rallye-Beifahrer Deutschlands, hat es sich dann doch selbst ausgesucht, mit seiner Agentur die Histo-Monte zu veranstalten, eine Oldtimer-Rallye über vier Tage und 1700 Kilometer, die von Mainz nach Monte Carlo führt. Es geht nicht darum, welches der 80 teilnehmenden Autos zuerst am Ziel ist, aber es sind ziemlich komplizierte Gleichmäßigkeitsprüfungen zu absolvieren. Vom etwa 75-minütigen Rallye-Lehrgang, bei dem dieses Bild entstand, schwirrt mir immer noch der Kopf. Ich bin ab morgen Beifahrer in einem Skoda 110 R und damit verantwortlich für Strecke und Strafsekunden, das wird nicht einfach.

Da ich Peter Göbel auch für die "Welt" porträtieren werde, habe ich beim Lehrgang schon mal fotografiert. Ungestellte Bilder vom Menschen in seiner natürlichen Umgebung sind ja in der Presse auch immer wieder gefragt. Die Herausforderungen hier waren das schreckliche Deckenlicht in dem Konferenzraum und vor allem die Tatsache, dass der Mann einen Vortrag hielt. Sprechende Menschen wirken auf fast allen Bildern furchtbar unvorteilhaft, deswegen muss man sehr oft abdrücken, damit wenigstens ein paar Fotos irgendwie gelungen aussehen. 

Daher mein Tipp für alle Fotografen, die gestellte Porträts machen: Seid nett zu den Leuten, sprecht zu ihnen – aber macht es möglichst so, dass sie zwar lächeln, aber nicht antworten. Dann werdet Ihr schneller fertig.

 

16.2.2016 – Spiegelproblem

Wer hier regelmäßig nach neuen Fotos schaut, der entwickelt mit der Zeit einen Blick dafür, wann ich was erlebt habe, wie kreativ oder aktiv ich an manchen Tagen war – und man sieht auch, wann ich keine rechte Idee hatte und/oder keine Zeit/kein Talent zur Umsetzung. Heute ist so einer von diesen trüben Tagen.

Der silberne Löffel auf dem Spiegel ist von der Idee her ganz okay, aber so ein schlichtes Motiv muss dann auch mit mathematischer Strenge verwirklicht werden. Hier haben wir eine nicht optimale Schattenlinie auf dem oberen Löffel und Geisterkonturen um den unteren, den gespiegelten. Dass die Kombination aus Silber, Spiegel und Blitzlicht in dieser Hinsicht problematisch sein würde, darauf hätte ich auch vorher kommen können. Aber als ich die Bescherung sah, war es schon zu spät: Es ist jetzt kurz vor Mitternacht, das Bild muss online gehen (siehe Spielregeln oben), und mir fällt leider nicht ein, wie ich dieses Optik-Problem binnen weniger Minuten lösen kann. Vorschläge für einen nächsten Versuch gern an mail@stefananker.com.

 

15.2.2016 – V. I. Pee

Das ist doch – nein, das kann nicht sein. Oder?  Ja, doch, als Fotograf muss man auch mal da hin gehen, wo es weh tut – oder wenigstens etwas seltsam ist. Wer immer noch über das Motiv rätselt (die meisten Frauen haben das aus dieser Perspektive wohl noch nie gesehen): Es ist ein Urinal, also das Ding aus Keramik, das Männer zum Wasserlassen benutzen können. Damit das kleine Geschäft nicht zu einer großen Sauerei ausartet, gibt es in vielen Urinalen Zielmarkierungen, gewöhnlich ist eine Fliege auf das weiße Material gemalt. Hier aber befinden wir uns in der VIP-Lounge des Frankfurter Flughafens (nicht von Lufthansa, sondern von Fraport, dem Flughafenbetreiber), und da passt eine Fliege irgendwie nicht, also wählte man (gibt es Urinal-Designer?) Golf-Loch samt Fahne.  

Es bleiben zwei Fragen offen. Erstens: Was hatte ich in dieser Lounge zu suchen? Das war unverhofftes Glück, ich war auf Einladung von Audi von Berlin nach Innsbruck unterwegs, um als Teil einer Journalistengruppe das neueste Quattro-Allradsystem Probe zu fahren. Die Reise bestand aus einem Linienflug nach Frankfurt mit anschließendem Charter zum Ziel und am Abend halt retour. VIP-Lounge wäre natürlich nicht nötig gewesen (ist auch nicht üblich), war aber interessant.

Zweitens: Gehe ich immer mit der Kamera zur Toilette? Nein, aber mein iPhone ist quasi mit mir verwachsen. Ich ignoriere es natürlich, wenn es auf der Toilette klingelt, aber ich habe es halt in der Tasche. Und dieses Bild musste ich einfach machen.

 

14.2.2016 – Am Ende

Ich gebe zu, der Gedanke ist ein wenig morbid. Aber nach dem Babybauchshooting gestern kam mir heute die Idee, ein Friedhofsfoto folgen zu lassen. Anfang und Ende, so ist das Leben. Dass die gelben Blumen an diesem trüben Tag so stark herausstechen, ist natürlich der nachträglichen Bildbearbeitung geschuldet – aber dadurch zeigt das Bild auch genau das, was ich auf dem Friedhof gesehen und empfunden habe. Die Schärfeebene habe ich so gewählt, dass man auf dem Foto nur wenige Details erkennt – aber sie weisen sehr deutlich darauf hin, was das für ein Ort ist, an dem das Bild gemacht wurde. 

Vielleicht noch eine Bemerkung zur Pietät: Ich finde, gegen Fotografie auf dem Friedhof ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wahrscheinlich kann man auch die Namen auf den Grabsteinen mit ins Bild nehmen, schließlich kann sie auch jeder sehen, der den Friedhof besucht. Es ist kein Geheimnis, wer wann geboren wurde und gestorben ist. Ich hätte trotzdem nicht fotografiert, wenn andere Menschen dort gewesen wären – auch wenn Opa schon 30 Jahre tot ist, da passt das laute Klicken der Kamera irgendwie nicht. Aber wie gesagt, es war ein trüber Tag, ich war allein, und dann tut so ein Bild auch keinem weh.

 P.S.: Spät am Abend habe ich erfahren, dass Valentinstag ist. Da habe ich vielleicht heute das Thema verfehlt.

 

13.2.2016 – Noch vier Wochen

Es hat tatsächlich geklappt, und ich zeige hier mit einigem Stolz mein (vorläufiges) Lieblingsfoto von meinem ersten Babybauchshooting. Keine Ahnung, ob ich für dieses Bild den Originalitätspreis gewinne, aber sind das nicht zwei attraktive Gesichter? Speziell mit diesem Motiv (und auch mit ein paar anderen) habe ich mein schwangeres Pärchen ganz schön genervt, glaube ich. Weil es einfach zig Versuche braucht, bis viele, viele Dinge gleichzeitig im Foto passen. 

Erstens: Handhaltung – alle sichtbaren Hände dürfen nicht abgeschnitten sein, und ihre Positionen im Bild müssen gleichermaßen plausibel und ästhetisch aussehen. Zweitens: Bildaufbau – Augen, Münder und Nasen der beiden Gesichter müssen wenigstens annähernd auf gleicher Höhe liegen (erreicht mit Hocker, Büchern und Körperspannung), zudem darf der Torso der Frau weder oben noch unten zu eng angeschnitten sein. Drittens: Gesichtsausdruck – Augen schön offen, ein angenehmes Lächeln, ein bisschen Vorfreude sollte sich hier widerspiegeln. Viertens: Licht und Schärfe – vor allem bei der Schärfe dürfen natürlich keine Fragen offen bleiben. Über das Licht kann man immer diskutieren, besonders wenn eine Brille im Spiel ist, die ein paar Schatten wirft, weil man den Blitz (plus Softbox) von oben leuchten lässt. Ich bin ein Freund dieser Lichtsetzung, denn die Sonne scheint ja auch von oben auf uns – wären wir also draußen gewesen zum Shooting, dann hätte sich das ähnlich dargestellt. Ja, man kann zum Fotografieren auch in den Schatten gehen, aber das ist in diesem Fall eine theoretische Diskussion, denn ein Babybauchshooting bei fünf Grad wäre nicht infrage gekommen. Nasen- und Kinnschatten sind jedenfalls recht natürlich geraten, und der Schatten am Babybauch modelliert die Kugel sehr schön – das einzige, was mich ein bisschen stört, ist der Schatten, den der Kopf auf den Unterarm der Frau wirft. Aber schmälert das den Eindruck des Bildes? Nicht wirklich.   

 

12.2.2016 – Generalprobe

Der gute Fotograf bereitet sich vor, wenn er neues Terrain betritt. Na ja, ob das jeder gute Fotograf tatsächlich macht, das weiß ich natürlich nicht –  aber ich persönlich wollte vor meinem allerersten Babybauchshooting morgen Mittag nicht so völlig praxisfrei dastehen. Also habe ich mein Hintergrundsystem aufgestellt und mit dem Gymnastikball meiner Frau sowie drei Aufsteckblitzen eine Generalprobe abgehalten – auf diesem Bild kam übrigens nur ein Blitz zum Einsatz. Der stand hinter dem Bauch/Ball auf dem Fußboden und war für zwei Dinge gleichzeitig verantwortlich. Zum einen spendete er über die Reflektion an der weißen Zimmerdecke das schattenfreie Hauptlicht für dieses Bild. Zum anderen grenzte er durch eine schöne kleine Lichtkante den Bauch/Ball vom Hintergrund ab.

Morgen Mittag werde ich zusätzlich Fensterlicht von links haben, heute Abend hatte ich die Halogenstrahler an der Decke an. Aber nach meiner Erfahrung braucht man, wenn man sich einmal fürs Blitzen entschieden hat, die anderen Lichtquellen ohnehin nur, damit man den Autofokus nutzen kann, was im Dunkeln nicht geht. Beim Fotografieren selbst überlagern der Blitz/die Blitze gewöhnlich das andere Licht, das gilt vor allem, wenn man kurze Belichtungszeiten wie 1/160 s. verwendet. Der Vorteil des Arbeitens mit Blitzen ist, dass man ohne Stativ fotografieren kann und frei ist in der Gestaltung von Licht und Schatten.

Mit so einem Gummiball ging das schon mal ganz ordentlich, mal sehen, wie es morgen wird – wenn es gut läuft, gibt es in spätestens 24 Stunden einen echten Babybauch hier zu sehen. Und wenn ich etwas anderes zeige, ist es nicht gut gelaufen.

 

11.2.2016 – Morgenlicht

Zum Abschied aus Kalifornien ein letzter Morgen-Blick aus meinem Hotelzimmer. Das Foto vom eigenen Zimmer aus zählt gewöhnlich nicht zu den originellsten Motiven, außerdem zeigt es eine etwas bequeme Geisteshaltung: Ziehe ich halt mal die Gardine zurück und schaue, was sich knipsen lässt. Zu meiner Entschuldigung führe ich wieder die Zeitverschiebung an und die Tatsache, dass ich mich heute so ziemlich den ganzen Tag auf der Rückreise von Kalifornien nach Deutschland befinde. Es musste also schnell gehen mit der Wahl des Motivs.

Mein Bild zeigt ein Landhaus mit Weinhang in der Nähe von Monterey, was wiederum knapp 200 km südlich von San Francisco liegt. Mir war schon gestern morgen aufgefallen, wie schön die frühe Sonne Haus und Feld beleuchtet, aber den Rest der Landschaft weniger betont. Diesen Effekt habe ich zu verstärken versucht: Einmal mit dem Hochformat, um die Bäume im Vordergrund schön dunkel und unscharf ins Bild zu bekommen. Und dann natürlich wieder mit Bildbearbeitung: Haus separat aufgehellt, oberen Anteil des Bildes etwas abgedunkelt, Sättigung und Kontraste leicht erhöht, Weißabgleich in Richtung wärmere Farben verschoben.

 

10.2.2016 – Korkenzieher

Wir sehen eine der berühmtesten Passagen des Motorsports, der nagelneue BMW M2 hier (360 PS) stürzt sich gerade die Corkscrew-Kurve auf der Rennstrecke in Laguna Seca/Kalifornien herab. Ich habe nicht mit der Kameraneigung geschummelt, jedenfalls nicht bewusst, es geht da wirklich ziemlich steil bergab, und das Beste ist: Wenn man die Korkenzieher-Kurvenkombination zum ersten Mal fährt, kommt man erst den Berg hoch, dann geht es auf der Kuppe leicht nach rechts, worauf eine scharfe Linkskurve folgt. Und an deren Scheitelpunkt ist man dann sehr überrascht, dass man ganz plötzlich wieder rechtsherum lenken soll und es auch noch richtig abwärts geht. Fotos und PlayStation-Simulationen geben das leider nicht annähernd wieder, trotzdem mag ich dieses Bild. Aber noch mehr mochte ich, Laguna Seca heute morgen selbst zu fahren. Ein Highlight im Berufsleben. 

 

9.2.2016 – Es ist wirklich der 9. Februar

Das glaubt mir natürlich keiner, aber ich bitte zu bedenken, dass irgendwo auf der Welt ja immer Sommer ist. Dies hier ist jedenfalls ein Schnappschuss aus Kalifornien, genauer:  aus Zuma Beach, einem Teil von Malibu. Träge rollt der Pazifik gegen den Strand, die Sonne brennt mit 30 Grad, und da kann man schon mal sagen: Time to Chill – so steht es jedenfalls auf den Rückseiten der Strandsitze dieses Paares. Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Vielleicht noch: Das Leben ist schön.

 

8.2.2016 – Entdecker

Das Bild passt heute zu meinem Tag: Ich fliege nach Kalifornien und habe jetzt auch nicht mehr viel Zeit für lange Gedanken. Außer dem, dass mir da versehentlich ein Streetfoto gelungen ist, oder? Ich denke mal auf dem Flug von Frankfurt nach Los Angeles darüber nach – die Szene auf dem Bild ist aus Berlin-Tegel, heute in aller Frühe.  

Nachtrag: Inzwischen bin ich am Ziel, habe auch meine ersten Arbeiten hier erledigt und schaue mir gerade das Foto noch einmal an. Inzwischen glaube ich, dass der unbedarfte Betrachter gar nicht unbedingt erkennt, dass es sich hier um eine Szene am Flughafen handelt. Was aber notwendig wäre, um den Werbespruch (im Ganzen übrigens "Mit AirBerlin die Welt entdecken:..." – danach folgen viele Ziele) mit den Leuten und ihren Rollkoffern in Einklang zu bringen. Ehrlich gesagt, könnte es auch ein Busbahnhof sein, oder? Und dann überlege ich, ob ich noch etwas machen soll, um die Vielfarbigkeit der Szene einzuschränken. Also Sättigung herunterfahren, Weißabgleich verändern oder gleich in Schwarzweiß umwandeln. Andererseits: Ist das erlaubt in so einem Fotoprojekt? Am nächsten Tag das Bild vom Vortag überarbeiten? Soll hier nicht der Moment gelten und damit auch die ursprüngliche Bearbeitung?

Darüber muss ich jetzt wieder ein bisschen nachdenken. Oder besser: drüber schlafen (9 h Zeitverschiebung).

 

7.2.2016 – Bin ich schön?

In der Fotografie geht es stets auch um Schönheit oder wenigstens um ihre Interpretation. Wer ein schönes Foto machen will, muss etwas Schönes fotografieren – das ist ein oft gehörter Satz, doch manchmal reizt uns eben auch das vermeintlich Hässliche, auf den Auslöser zu drücken. Ein Schaf an sich wäre mir nicht unbedingt die Mühe wert gewesen, aber dieser wollige Hippie hier stellte eine interessante Herausforderung dar. Schließlich gilt: Kein Porträt ohne Blickkontakt oder wenigstens freie Sicht auf wenigstens ein Auge. Das war hier nicht bei jeder Kopfhaltung des Tieres möglich, aber nach ein paar Versuchen war das Foto doch im Kasten.

In der Bearbeitung habe ich das Bild so beschnitten, dass das sichtbare Auge im Schnittpunkt zweier Drittellinien liegt, nämlich dort, wo sich die obere horizontale und die linke vertikale Drittellinie kreuzen. Von Schnittpunkten dieser Qualität gibt es in jedem Rechteck vier, und an diesen Punkten sucht der menschliche Blick ganz gern nach den bildwichtigen Teilen. Zusätzlich habe ich mich mit dem Korrekturpinsel noch liebevoll um das Auge des Schafs gekümmert, das im Original dunkler ist und weniger Glanz ausstrahlt.

Vielleicht noch ein Tipp für die Arbeit mit Modellen: Der Fotograf sollte darauf achten, dass das Modell, ob weiblich oder männlich, sauber zum Shooting kommt und sich nicht vorher noch im Stroh gewälzt hat. Auch hilft es bei den generell sehr erwünschten Fotos mit offener Blende und entsprechend geringer Tiefenschärfe, wenn die Nase des Modells nicht so lang ist.

 

6.2.2016 – Es hat gefunkt

Heute war ein so blauer Himmel, da konnte ich nicht widerstehen. Königs Wusterhausen, wo ich wohne, nennt sich selbst Rundfunkstadt, weil hier 1920 die erste deutsche Radiosendung ausgestrahlt wurde. 21 Funkmasten standen zur Rundfunk-Blütezeit auf dem Hügel, den wir immer noch Funkerberg nennen, heute ist nur noch Mast 17 übrig geblieben, 210 Meter hoch und über eine Leiter auch begehbar (nicht für jeden). Vielleicht beantrage ich den Aufstieg für ein tolles Landschaftsfoto mal im Sommer, heute waren mir der rot-weiße Anstrich des Mastes und der knackblaue, wolkenlose Himmel genug.

Es gibt vielleicht noch etwas zu sagen zum blauen Himmel im Allgemeinen. Ich finde ihn gewöhnlich schwierig zu bearbeiten. Weil er ganz schnell entweder ins Grünliche oder ins Violette abdriftet, und das sieht furchtbar aus. Dieser Himmel hier ist aus Sicht meines (kalibrierten) Monitors nicht grün-blau und nicht lila-blau, sondern blau-blau. Auch den iPhone-Test besteht das Bild, insofern bin ich ganz optimistisch, den richtigen Farbton getroffen zu haben.

Und noch ein bisschen Werbung: Auf dem Funkerberg gibt es jedes Jahr im August das Bergfunk-Rockfestival. 2014 und 2015 habe ich da Fotos gemacht: Hier und hier kann man das sehen.

 

5.2.2016 – Kathedrale der Luftfahrt

So 100-prozentig klappt es nie, ein Foto exakt auszurichten, aber ich würde sagen, hier sind es mindestens 98 Prozent. Wieder und wieder bin ich heute im Stuttgarter Flughafen die Rolltreppe hoch zum Abflugbereich des Terminals 1 gefahren. Nicht weil es schwierig war, die Kamera still zu halten, aber ich wollte das Bild gern menschenleer haben, was angesichts des boomenden Flugverkehrs nicht so einfach ist. Mein ursprüngliches Ziel war, die mehr als interessante Architektur der baumartig konstruierten Dachträger herauszuarbeiten (man sieht sie jetzt nur noch schwach), aber dann fiel mir beim Anblick der Dachfenster eine gewisse Symbolik auf, irgendetwas zwischen Christentum und Luftfahrt. 

Die Schwarzweiß-Bearbeitung mit höchstem Kontrast war danach irgendwie zwingend, um auch andere Betrachter auf das Kreuz bzw. Flugzeug an der Decke aufmerksam zu machen. Und dass es in diesem Bild aufwärts geht, passt ja auch für beide Themenkreise. 

 

4.2.2016 – Gin 2.0

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich so bald wieder mit Gin in Berührung kommen würde (siehe Foto vom 26.1.), aber heute war diese edle Flasche in der Post – da wollte mir jemand etwas Gutes tun, obwohl ich gar keinen Gin trinke. Trotzdem vielen Dank, denn als Fotomotiv eignet sich die blaue Flasche (der Gin selbst ist farblos) ganz hervorragend. Etikett und Name machen die Angabe glaubwürdig, dass das geheime Rezept dieses speziellen Gins von 1761 stamme – obwohl die abgebildete Queen Victoria erst 1819 geboren wurde (das Bild ist gar von 1887). Wie so oft kann man halt nicht alles haben.

Die fotografischen Angaben sind hier schnell gemacht: Das Bild entstand mithilfe eines Blitzes, der rechts neben der Flasche stand und gegen die weiße Decke feuerte, gleichzeitig habe ich einen weißen Hintergrundkarton verwendet. Ich mache es bei solchen Bildern immer so, dass ich zunächst mit der Kamera in der Hand den ungefähren Bildausschnitt bestimme und mit dem manuellen Modus so lange ausprobiere, bis die Belichtung einigermaßen stimmt. Danach stelle ich die Kamera aufs Stativ, um den endgültigen Bildausschnitt festzulegen, und dann stelle ich den Blitz an immer neuen Stellen auf, um Reflektionen zu erhalten, die nicht zufällig entstehen, sondern genau da, wo sie schön aussehen – in diesem Fall an den Kanten der viereckigen Flasche, vor allem an der linken Kante.  In der Bearbeitung habe ich dann nur noch Kontrast und  Weißtöne verstärkt. So kommt das kühle Blau schön zur Geltung.

 

3.2.2016 – Gegenlicht

Niemals, niemals, niemals nicht mache Fotos gegens Licht. Das ist eine der vielen Weisheiten, die man mir als Kind beigebracht hat, die aber die Zeiten nicht überdauert haben. Sehr wohl kann man gegen das Licht fotografieren, und man muss nicht mal unbedingt das Motiv anblitzen. Bei diesem Efeublatt hilft es natürlich, dass es ein bisschen Licht hindurchlässt, weshalb die Vorderseite eben nicht ganz dunkel geworden ist. Und natürlich ist auch die Bildbearbeitung wieder zum Einsatz gekommen: Weniger Lichter in der Sonne, mehr Licht, Kontrast und Sättigung auf dem Blatt, eine leichte Vignette in den Ecken. 

 

2.2.2016 – Film ab!

Das ist doch mal ein schöner Lichtblick im februargrauen Berlin, wo ich heute wieder gelandet bin (mit Sonnenbrand aus Florida, wie ärgerlich). Auf dem Weg vom Flughafen zum Verlag kam ich am Martin-Gropius-Bau vorbei, sah dort die Werbe-Aufsteller für die bald beginnende Berlinale und hatte mein Bild des Tages gefunden. Die künstliche Beleuchtung bringt hier die Farben der Plakate schön hervor, ein bisschen Bildbearbeitung ist aber auch noch dabei: Kontraste und Sättigung über den bunten Bildern hoch, Belichtung über dem Rest der Szene etwas runter. Und es ist sogar eine winzigkleine Bildmanipulation geschehen – ich bin gespannt, ob jemand sie bemerkt. Falls ja, schreibt bitte an mail@stefananker.com. Antwort mit der richtigen Auflösung kommt garantiert.

 

1.2.2016 – Mein neuer bester Freund

Ja, das hier war ein bisschen scary, wie die Amerikaner sagen. Der schuppige Kumpel döst nämlich nicht etwa im Zoo herum, sondern sonnt sich in einem echten Sumpf von Florida, und ich bin mit Boot und Kamera vielleicht zehn Meter entfernt. Unser Captain hat den Motor abgestellt und gemeint, die Alligatoren stören sich nicht groß an uns. Attackieren würden sie nur, wenn sie häufiger gefüttert würden und dadurch die Scheu vor Menschen verlören. Theoretisch hätte ich also ins Wasser steigen können, um das Bild auf Augenhöhe zu machen, wie es sich für ein gutes Tierfoto gehört. Das Hochformat mit langer Brennweite ist allerdings eine brauchbare Ersatzlösung, falls man aus irgendwelchen Gründen nicht auf Augenhöhe (besser: Augentiefe) kommt. Und ich finde, ich hatte hier einen guten Grund: Angst.

 

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