Projekt 366 – Lichtkante

March 05, 2016  •  Kommentar schreiben

Im Autodesign dreht sich alles um Proportionen, und das zweitwichtigste sind saubere Lichtkanten. Die Designer sind immer sehr stolz, wenn es keine unkontrollierten Reflektionen auf dem Lack gibt, sondern stattdessen das Licht die entscheidenden Karosserielinien betont. Je luxuriöser oder sportlicher ein Auto ist, umso wichtiger. In der Autofotografie tut man gut daran, die Ideen der Designer nachzuvollziehen und mit dem eingesetzten Licht genau die Kanten und Linien herauszuarbeiten, um die es geht. Nicht immer hat man zwei Traumwagen zur Verfügung, aber zum Üben tut es auch der Maßstab 1:43. 

Ich habe die Modelle des neuen McLaren 570 GT (rechts) und des schon zwei Jahre alten McLaren 650 S auf eine orangefarbene Pappe gestellt und die Szene mit zwei Blitzen ausgeleuchtet. Das Raumlicht hat hier keine Rolle gespielt – bei einer Belichtungszeit von 1/125 Sekunde, Blende 11 und ISO 400 wird das Bild trotz eingeschalteten Deckenlichts einfach nur schwarz. Die Blitze müssen in diesem Foto dreierlei leisten. Erstens: Fahrgastzelle und Schulterlinie der Autos müssen sich vom Rest absetzen, ohne dass das Blitzlicht störende Einzelreflektionen erzeugt. Zweitens: Die Fensterscheiben dürfen nicht spiegeln. Drittens: Scheinwerfer und Felgen müssen gut ausgeleuchtet sein.

Bei echten Autos wird man ohne große Lichtformer kaum auskommen, im kleinen Maßstab richtet man einfach den Hauptblitz gegen die Decke. Diese kostenlose Mega-Softbox verteilt das Licht so, dass es ganz weich aufs Auto fällt, ohne Einzelreflektionen zu verursachen. Falls die Scheiben spiegeln, kann man den Blitz (er steht rechts von den Autos und blitzt mit halber Leistung) ein bisschen drehen und schieben, bis alles passt. Um Scheinwerfer und Felgen zu beleuchten, habe ich einen zweiten Blitz links neben die Autos gestellt und ihn mit minimaler Leistung (1/128) abgefeuert. Dabei reicht das Licht natürlich nicht mehr bis zur Decke und zurück, also habe ich in ca. 50 cm Entfernung ein Stück Styropor über den Blitz gehalten. Direkt auf die Autos gerichtet, hätte es Einzelreflektionen gegeben, außerdem hätte der Bildlook sehr hart gewirkt, trotz Mini-Leistung. In der Bildbearbeitung habe ich lediglich die Lichter etwas angehoben, das Orange des Hintergrundes extra gesättigt und eine Vignette um die Autos gelegt.

Was mich hier noch stört, ist die Ausrichtung der Räder. Beim grünen McLaren habe ich die Markenlogos auf den Radnaben exakt gleich positioniert, leider stehen nun aber die Felgen unterschiedlich – da sieht man den Unterschied in der Verarbeitungsqualität zwischen echtem Auto und Modellauto. Und beim blauen McLaren hätte ich den Felgenstern auch gern anders gehabt – doch das ist ein reines Sammler- und Show-Modell, dessen Räder sich nicht drehen lassen.  Man kann sich also noch so viel Mühe geben, irgendetwas ist halt immer. Damit muss man dann leben.

Mehr Bilder im Projekt 366: Der reine LuxusBlaue StundeLeben in der VorstadtHier entlangZeitreise


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