Projekt 366 – Das Fernsehen ist da

March 05, 2016  •  Kommentar schreiben

Heute habe ich mich mal als Fotoreporter betätigt, allerdings ohne Auftrag, sondern aus privatem Interesse. Bei uns im Wald hat sich die Bürgerinitiative gegen den geplanten Windpark getroffen und ein Reporterteam vom RBB empfangen. Sehr beeindruckend fand ich, dass auch noch zwei Vertreter der Firma dazustießen, die die Anlage bauen – während der Bürgermeister von Königs Wusterhausen und der Landrat des Kreises Dahme-Spreewald zwar angefragt waren, aber nicht gekommen sind. Rund zwei Stunden war das Drehteam da und hat für die zwei Beiträge (einer heute Abend über ca. 90 Sekunden, ein weiterer morgen Abend für ca. fünf Minuten) sehr viel Aufwand getrieben, extrem viele O-Töne eingeholt. Da bin ich wirklich gespannt auf das Ergebnis des Schnittes.

Als Fotograf muss man bei solchen Ereignissen auf drei Dinge achten. Erstens: Es sollen möglichst keine Hinterköpfe im Bild sein – wenn aber doch, wie hier, dann braucht es Ausgleichsmaßnahmen. In diesem Fall sind es die Kamera auf der Schulter des Kameramannes und das Mikrofon in der Hand der Reporterin. Beide Gegenstände identifizieren die Szene und machen verständlich, warum die beiden Menschen uns den Rücken zudrehen. Außerdem ist da der befragte Mann in der Mitte, der uns eine auffällige Kopfhaltung bietet, und dann sehen wir rechts die vielen Leute, die sehr interessiert in dieselbe Richtung schauen, nämlich zum interview. Zweitens: Es darf erkennbar sein, worum es geht – dabei hilft natürlich das Spruchband, das die engagierten Bürger freundlicherweise mitgebracht haben. Drittens: Es muss so aussehen, als wäre die Fotokamera mittendrin gewesen – deswegen ist geradezu zwingend der Einsatz eines Weitwinkelobjektivs nötig, und mit dem muss man dann nah herangehen. Hier habe ich mit 24 Millimeter Brennweite fotografiert, das Bild hinterher aber noch beschnitten, wahrscheinlich sehen wir jetzt den Ausschnitt, den ein 35-Millimeter-Objektiv standardmäßig erzeugt hätte. Für den Mittendrin-Eindruck schadet es auch nicht, eine etwas tiefere Perspektive einzunehmen. Wer meinen Bildern regelmäßig folgt, weiß zudem, dass ich die Kamera gern mal schräg halte. Bei so einem Veranstaltungsmotiv unterstützt die Abweichung von der Horizontalen den Eindruck, als wäre es dort hektisch zugegangen. 

Alles in allem geht es darum, dass ein Foto von einer Veranstaltung, bei der sich viele Menschen treffen, so wenig statisch wie möglich wirkt. Man muss ja irgendwie noch eine Chance haben gegen die Leute, die Videos drehen. 

Mehr Bilder im Projekt 366: Leben in der VorstadtHier entlangZeitreiseLandschaft ohne SonneWinter-Widerspruch


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